Ein Beitrag zu Chemie³ von den norddeutschen Chemieverbänden

Wenn Wegschauen gefährlich wird

Beim regelmäßig stattfindenden Forum Demografie- & Gesundheitsmanagement der norddeutschen Chemieverbände diskutierten die Teilnehmer dieses Mal über betriebliche Suchtprävention und wirksame Maßnahmen im Umgang mit Suchtproblemen. Das Forum wurde 2013 ins Leben gerufen, um Mitgliedsunternehmen dabei zu unterstützen die mit dem demografischen Wandel einhergehenden Herausforderungen aktiv zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei eine nachhaltige und vorausschauende Personalpolitik, mit dem Ziel, die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit der Belegschaft zu erhalten.

Wegschauen kann gefährlich werden: Wie betriebliche Suchtprävention und wirksame Maßnahmen im Umgang mit Suchtproblemen aussehen können, das gehört zu den Themen des regelmäßg stattfindenden Forums Demografie- & Gesundheitsmanagement der norddeutschen Chemieverbände. - Bild: © Jürgen Priewe - Fotolia.com
Wegschauen kann gefährlich werden: Wie betriebliche Suchtprävention und wirksame Maßnahmen im Umgang mit Suchtproblemen aussehen können, das gehört zu den Themen des regelmäßg stattfindenden Forums Demografie- & Gesundheitsmanagement der norddeutschen Chemieverbände. - Bild: © Jürgen Priewe - Fotolia.com

„Mit drei bis fünf Prozent Suchtabhängigen innerhalb der Belegschaft sollte jeder Betrieb rechnen“, erklärte Petra Schumann, die nebenamtlich als betriebliche Suchtberaterin bei der Dow in Stade arbeitet. Für einen mittelgroßen Betrieb mit 200 Mitarbeitern heißt das, statistisch gesehen haben ungefähr acht Kollegen mit Suchtproblemen zu kämpfen. Und diese können von Alkohol- und Drogensucht über die Abhängigkeit von Medikamenten bis hin zu Glücks- oder Computerspielen reichen.

„In 10 Jahren werden Medikamente am Arbeitsplatz ein großes Thema sein“, prognostizierte die freiberufliche Expertin für betriebliche Suchtprävention Ute Pegel-Rimpl. Tatsächlich ist bereits jetzt die Zahl der Medikamentenabhängigen hoch. Allerdings gehen die Schätzungen laut dem Drogen- und Suchtbericht 2016 der Drogenbeauftragten der Bundesregierung weit auseinander, da Medikamentenabhängigkeit schwer zu erheben sei – die Spanne reicht von 1,3 bis 2,3 Millionen Menschen in Deutschland.

Genauso schwer kann es für Mitarbeiter sein, zu erkennen, ob ein Kollege ein Suchtproblem hat und noch viel schwieriger fällt es ihnen meist, diesen Kollegen darauf anzusprechen. „Klar, er kommt vielleicht häufiger mal zu spät und ist nicht richtig konzentriert, aber ihn deshalb gleich beim Chef anschwärzen? Man will ja schließlich kein Verräter sein“, schilderte Petra Schumann. „Dabei ist es so wichtig hinzusehen und vor allem rechtzeitig zu reagieren. Was ich deshalb anderen Betrieben mitgeben möchte, ist ein Appell zu mehr Wachsamkeit und Mut. Von selbst kommt ein Abhängiger eher selten darauf, dass er Hilfe braucht, denn sein Leben ist komplett auf sein Suchtbedürfnis ausgerichtet und das Bewusstsein für richtig und falsch schwindet immer mehr.“

In solchen Situationen kann eine „Betriebsvereinbarung Sucht“ wie bei der Dow in Stade sinnvoll sein. Betriebsvereinbarungen mit festgelegtem Vorgehen helfen Arbeitgeber im Umgang mit Sucht, betonte auch Jens Lohrengel von der pronova BKK. Denn hierbei würden verschiedene Stufen und entsprechende Maßnahmen sowie Zuständigkeiten im Vorfeld genau geregelt.

Ebenfalls wichtig sei natürlich auch qualifiziertes Personal. An dieser Stelle kommt die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) ins Spiel, erklärte Enrico Helbig. „Wir bilden betriebliche Suchtberater aus und bieten seit Neuestem auch Seminare für Führungskräfte an, um sie für das Thema Sucht zu sensibilisieren.“

Enrico Helbig von der BG RCI verdeutlichte den Teilnehmern über ein Suchtpräventionsspiel die körperlichen Einschränkungen in Folge von Alkohol- und Drogenkonsum. Durch die Brille wird z.B. nicht nur das gezielte Greifen eines Gegenstandes auf einmal zur Herausforderung, sondern auch das Unterscheiden von Farben. Überträgt man diese Situation auf die Bedienung einer Maschine, wird klar, wie gefährlich Sucht am Arbeitsplatz ist. - Foto: © AGV ChemieNord

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Elena Schad

E-Mail: schad@vci.de