Reinhold von Eben-Worlée im Interview

„Der Nachhaltigkeits-Check ist ein idealer Einstieg“

Die traditionsreiche Hamburger Worlée-Chemie setzt auf Nachhaltigkeit. Im Gespräch mit dem „chemie report“ erläutert Reinhold von Eben-Worlée, Geschäftsführender Gesellschafter, welche Vorteile er für sein Unternehmen darin sieht.

„Nur ein nachhaltig geführtes Unternehmen wird auf Dauer bestehen können.“ Reinhold von Eben-Worlée Geschäftsführender Gesellschafter Worlée-Chemie GmbH. - Foto: © VCI/Mendel
„Nur ein nachhaltig geführtes Unternehmen wird auf Dauer bestehen können.“ Reinhold von Eben-Worlée Geschäftsführender Gesellschafter Worlée-Chemie GmbH. - Foto: © VCI/Mendel

chemie report: Herr von Eben-Worlée, Sie sind einer der Pioniere bei Responsible Care gewesen. Sind Sie auch ein Pionier in Sachen Nachhaltigkeit?

Von Eben-Worlée: Nachhaltigkeit ist schon immer wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Schon der Ursprung des Unternehmens vor 165 Jahren lag im Import und Handel von natürlichen Harzen als Bindemittel für die Farben- und Lackindustrie, aus denen unsere Kunden moderne und umweltfreundliche Farben und Lacke herstellen. Heute produzieren wir Bindemittel und Additive basierend auf nachwachsenden und petrochemischen Rohstoffen. Dabei sind bereits seit Jahrzehnten wasserverdünnbare Bindemittel sowie der verstärkte Einsatz nachwachsender Rohstoffe auf bis zu 100 Prozent Schwerpunkte unserer Entwicklungsarbeit.

In der Produktion achten wir schon seit langem auf Ressourcenschonung und Umweltverträglichkeit, sowohl beim Einsatz der Rohstoffe als auch beim Produktionsverfahren. So haben wir zahlreiche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt und sind zum Beispiel Mitglied in der Exzellenzinitiative „Klimaschutz-Unternehmen. Die Klimaschutz- und Energieeffizienzgruppe der Deutschen Wirtschaft e.V.“. Außerdem engagieren wir uns in der Initiative Responsible Care und wurden schon mit mehreren Umweltpreisen ausgezeichnet.

Welche Rolle spielen in Ihrem Unternehmen auch soziale Aspekte?

Nicht nur die ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeitsaspekte sind uns wichtig. Auch in Sachen soziale Nachhaltigkeit engagieren wir uns seit jeher. Wir sind stolz auf unsere langjährige Mitarbeiterbindung, tun aber natürlich auch einiges dafür. Hierzu zwei Beispiele: Wir haben eine private Krankenzusatzversicherung für alle Mitarbeiter eingeführt, die voll vom Unternehmen finanziert wird. Außerdem gibt es für die Mitarbeiter eine Berufsunfähigkeitsrente.

Sie waren eines von zwölf Pilotunternehmen bundesweit, die als erstes den Chemie3 Nachhaltigkeits-Check durchführten. Warum?

Wir haben uns sehr über das Angebot gefreut, als eines von den bundesweit zwölf Pilotunternehmen den Chemie3-Nachhaltigkeitscheck durchführen zu können. Den Check haben wir genutzt, um die drei Nachhaltigkeitsdimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales ganzheitlich zu betrachten und eine Standortbestimmung für uns durchzuführen. Das interne Feedback auf die Teilnahme war durchweg positiv.

Wie lief der Nachhaltigkeits-Check praktisch ab?

Wir haben zunächst eine „Lenkungsgruppe Nachhaltigkeit“ ins Leben gerufen, besetzt mit Mitgliedern aus Geschäftsführung, Personalleitung, Vertrieb, Forschung und Entwicklung, dem Umwelt- und Energiemanagement, dem Qualitäts- und Arbeitssicherheitsmanagement sowie dem Betriebsrat. In diesem Kreis haben wir uns dann intensiv mit dem Check beschäftigt und die für uns und unsere Stakeholder wesentlichen Aspekte herausgefiltert. Dann folgte ein eintägiger Workshop, moderiert von der Beratungsgesellschaft Trifolium, in dem wir unsere ausgewählten Themen lebhaft und offen diskutiert und bewertet haben. Dies hat das gegenseitige Verständnis für die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen vertieft.

Was hat sich daraus konkret für Ihren Betriebsalltag ergeben?

Ganz wichtig war für uns die eigene Standortbestimmung. Wir haben gelernt, dass wir tatsächlich in allen drei Dimensionen der Nachhaltigkeit bereits eine Menge tun. Wir fühlen uns bestätigt und bestärkt, die nachhaltige Entwicklung des Unternehmens weiterhin bewusst voranzutreiben. Zudem haben wir für einige bestehende Projekte neue Impulse gewonnen.

Konkret haben wir festgestellt, dass wir noch nicht offensiv genug über unsere vielfältigen Nachhaltigkeitsaktivitäten nach außen – aber auch nach innen – kommunizieren. Unser Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit lag bislang ganz klar auf ökologischen Aspekten. Wir wollen daher unsere Nachhaltigkeitsberichterstattung verbessern und zur European Coating Show im April 2017 einen ersten Nachhaltigkeitsbericht herausgeben. Außerdem haben wir für einige bereits bestehende Projekte, wie für unser betriebliches Gesundheitsmanagement oder unsere Regeln für Mitarbeitergespräche, neue Impulse gewonnen. Solche Projekte werden wir weiter ausbauen.

Rechnet sich das auch wirtschaftlich für Ihr Unternehmen?

Die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichts, der ja das wichtigste Resultat des Nachhaltigkeits-Checks für uns sein wird, lässt sich schwer wirtschaftlich rechnen. Wir erwarten uns aber ein positives Feedback von wichtigen Interessengruppen wie Kunden, Lieferanten oder unserer Nachbarschaft – und auch Vorteile bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter. Dasselbe gilt für das betriebliche Gesundheitsmanagement oder auch die fortlaufende Aus- und Weiterbildung. Unsere Mitarbeiter sind eine Säule des Erfolgs unseres Unternehmens und es lohnt sich in jeder Hinsicht, in diese zu investieren.

Würden Sie den Check auch anderen Unternehmen empfehlen?

Der Chemie3-Nachhaltigkeits-Check ist ein idealer Einstieg, das Thema Nachhaltigkeit ganzheitlich und systematisch zu organisieren. Er hat uns die notwendige Sicherheit gegeben, auch neue Nachhaltigkeitsthemen selbstbewusst anzugehen.

Was sagen Sie denen, die im Thema Nachhaltigkeit vor allem eine Belastung zusätzlich zu den vielen gesetzlichen und freiwilligen Verpflichtungen sehen?

Nur ein nachhaltig geführtes Unternehmen wird auf Dauer bestehen können.

In der Öffentlichkeit werden vor allem die Beiträge großer Unternehmen zur Lösung der großen Nachhaltigkeitsfragen wahrgenommen. Wie wird der Mittelstand als „Problemlöser“ sichtbarer?

Wir sind überzeugt, dass kleine und mittlere Unternehmen der chemischen Industrie den großen Konzernen hier in nichts nachstehen und die meisten Mittelständler auf diesem Gebiet bereits einen hohen Standard erreicht haben.

Wir Mittelständler sollten offensiver mit unserem Beitrag zur Nachhaltigkeit umgehen, also offener und selbstbewusster über unsere Leistungen berichten und uns nach außen öffnen. Dabei helfen uns auch VCI-Initiativen wie der bundesweite Tag der offenen Tür oder der Mittelstandstag . Die Initiative Chemie3 mit ihrem Nachhaltigkeits-Check bietet eine weitere gute Plattform dafür.

Die Fragen stellte Monika von Zedlitz.

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Monika von Zedlitz

E-Mail: zedlitz@vci.de