Chemie³-Fachveranstaltung stößt auf großes Interesse

Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Im Kontext der Globalisierung ist die Verantwortung von Unternehmen gestiegen, die Einhaltung von Nachhaltigkeits-Standards nicht nur an den eigenen Produktionsstandorten, sondern auch in den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten sicherzustellen. Vor diesem Hintergrund hatte Chemie³, die Nachhhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie, mit vorwiegend mittelständischen Unternehmen das Pilotprojekt „Nachhaltigkeit in der Lieferkette“ durchgeführt. Die Vorstellung und Diskussion des daraus entwickelten Leitfadens zum Thema stieß Ende März beim VCI in Frankfurt am Main auf reges Interesse.

Rund 100 Teilnehmer informierten sich beim VCI darüber, wie Unternehmen das Thema „Nachhaltigkeit in der Lieferkette" systematisch angehen können. - Foto: © VCI/Arne Landwehr
Rund 100 Teilnehmer informierten sich beim VCI darüber, wie Unternehmen das Thema „Nachhaltigkeit in der Lieferkette" systematisch angehen können. - Foto: © VCI/Arne Landwehr

Die exportorientierte Chemie- und Pharmaindustrie profitiert von der Globalisierung. Damit einhergehend steigt die Verantwortung von Unternehmen, die Einhaltung von Nachhaltigkeitsstandards nicht nur an eigenen Produktionsstandorten sondern auch in den globalen Liefer- bzw. Wertschöpfungsketten sicherzustellen. Darüber hinaus fordern Kunden, Konsumenten, Nichtregierungsorganisationen und verstärkt auch der Gesetzgeber zunehmend Informationen ein, wie Nachhaltigkeitsstandards in der Lieferkette eingehalten werden. Vor diesem Hintergrund hat Chemie3 - die Nachhaltigkeitsinitiative von VCI, IG BCE und BAVC - mit vorwiegend mittelständischen Unternehmen das Pilotprojekt „Nachhaltigkeit in der Lieferkette“ durchgeführt. Dabei wurde zum ersten Mal in der Chemieindustrie ein Leitfaden zu diesem Thema entwickelt.

Der erste Leitfaden in der chemisch-pharmazeutischen Industrie zum nachhaltigen Management von Lieferketten - Foto: © VCI/Landwehr

Die Ergebnisse des Projektes sowie der Leitfaden wurden Ende März auf einer Fachveranstaltung in Frankfurt vorgestellt. Im Namen von Chemie3 begrüßte Roland Schröder die fast 100 Teilnehmer und betonte: „Die wachsenden Anforderungen an das Lieferkettenmanagement stellen vor allem für mittelständische Unternehmen eine enorme Herausforderung dar.“

Roland Schröder - Foto: © VCI/Arne Landwehr

Andreas Zamostny, geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens Schlange & Co., stellte danach das Pilotprojekt sowie den zusammen mit den Pilotunternehmen erarbeiteten Leitfaden vor. Er nannte als seine zentralen Erkenntnisse: „Die Beschäftigung mit dem Thema beginnt sinnvollerweise immer mit einer Priorisierung und der Planung machbarer Schritte. Wichtig ist zu Beginn, die Geschäftsführung zu sensibilisieren. Verbunden sein sollte das mit der Botschaft, dass kein Unternehmen bei null anfängt. Da es vieles zerstreut im Unternehmen schon gibt, ist eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit dann ein Erfolgsfaktor.“ Klar sein müsse allen Beteiligten auch, dass die Umsetzung Zeit brauche. „Ein Vorteil kann daher die Anwendung von Branchenlösungen sein.“

Andreas Zamostny - Foto: © VCI/Arne Landwehr

Zuvor hatte bereits Jana Heinze von „econsense – Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft e.V.“ die Anforderungen für die Unternehmen dargestellt, die sich aus dem „Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte“ ergeben. In dem im Dezember 2016 von der Bundesregierung verabschiedeten Aktionsplan werden die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte für deutsche Unternehmen konkretisiert und ein Plan zur Umsetzung beschrieben. Heinze: „Das aktuelle Chemie3-Pilotprojekt ist ein tolles Beispiel, wie man gemeinsam die Hebelwirkung beim Thema Menschenrechte erhöhen kann. Die Musik spielt besonders bei den Ermittlungen der Auswirkungen der Lieferkette auf die Menschenrechte.“

Jana Heinze - Foto: © VCI/Arne Landwehr

Auch die Initiative „Together for Sustainability“ (TfS) hat im Pilotprojekt mitgewirkt. Sie setzt sich bereits seit 2011 für die Einhaltung beziehungsweise Vereinheitlichung von Nachhaltigkeitsstandards in der Lieferkette ein. Der Fokus lag bisher allerdings vor allem auf Großunternehmen. Im Pilotprojekt wurden die TfS-Methoden zum ersten Mal an die Anforderungen von mittelständischen Unternehmen angepasst und anschließend erprobt. TfS-Geschäftsführerin Gabriele Unger sagte dazu: „Wie erfolgreich wir letztendlich waren, wird sich jetzt in der Praxis zeigen, wenn die ersten Antworten der Lieferanten eintreffen. Ich bin aber sehr optimistisch.“

Gabriele Unger - Foto: © VCI/Arne Landwehr

Später am Nachmittag berichteten Sabine Zallinger und Waltraud Haas von der Wacker Chemie AG von Ihren Erfahrungen mit der Umsetzung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements in der Praxis. Sie berichteten, wie sie anfängliche Schwierigkeiten überwinden konnten und welche Instrumente sie bei dem Ziel, kritische Lieferanten zu identifizieren, anwenden. Sie betonten auch, dass ihrer Meinung nach die Zusammenarbeit innerhalb der Branche beim Thema noch ausgebaut werden sollte.

Sabine Zallinger (links): „Anfänglich mussten wir sowohl bei den Lieferanten, als auch bei den eigenen Einkäufern Überzeugungsarbeit leisten." - Waltraud Haas, rechts: „Unser Fazit ist, dass TfS als Branchenlösung hilfreich ist ." - Foto: © VCI/Arne Landwehr

In der abschließenden Diskussions- und Fragerunde ging es vor allem um den Begriff der „Menschenrechte“, die Weiterentwicklung von Lieferanten sowie die Rolle des Preiswettbewerbs bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen.

Diskussion mit den Teilnehmern des Pilotprojekts - Foto: © VCI/Arne Landwehr

Mehr zum Thema

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Jürgen Udwari

E-Mail: udwari@vci.de