Wertvorstellungen von Stakeholdern verändern sich

Nachhaltigkeit wird zum Erfolgsfaktor für die Chemie

Unternehmen und Branchen, die nachhaltig wirtschaften, sind bestens gerüstet, den veränderten Erwartungen von Stakeholdern zu entsprechen und im Wettbewerb um die besten Köpfe die Nase vorn zu haben. Auch wirtschaftlich dürften Betriebe erfolgreicher sein, wenn sie auf Nachhaltigkeit setzen. Das erläuterte Martina Ludwig vom VCI auf der Handelsblatt Jahrestagung Chemie.

Dr. Martina Ludwig, Leiterin Kommunikation und Nachhaltigkeit im VCI, machte deutlich, dass Nachhaltigkeit eine Strategie zur Zukunftssicherung der chemischen Industrie ist. "Chemie hoch 3", die Nachhaltigkeitsinitiative der Branche, hat sich zum Ziel gemacht, konsequent daran zu arbeiten. - Foto: © EUROFORUM DEUTSCHLAND SE / Foto Vogt GmbH
Dr. Martina Ludwig, Leiterin Kommunikation und Nachhaltigkeit im VCI, machte deutlich, dass Nachhaltigkeit eine Strategie zur Zukunftssicherung der chemischen Industrie ist. "Chemie hoch 3", die Nachhaltigkeitsinitiative der Branche, hat sich zum Ziel gemacht, konsequent daran zu arbeiten. - Foto: © EUROFORUM DEUTSCHLAND SE / Foto Vogt GmbH

„Es reicht nicht mehr aus, eine Spende an die nächste Schule zu überweisen und einen Naturlehrpfad anzulegen. Es geht um viel viel mehr. Denn Nachhaltigkeit betrifft das Kerngeschäft“, das machte Martina Ludwig, Leiterin der Abteilung Kommunikation und im VCI für die Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 verantwortlich, deutlich. Denn große Megatrends wie der demografische Wandel, der Klimawandel und die begrenzten natürlichen Ressourcen sowie die Globalisierung werden das Umfeld der chemischen Industrie in Deutschland dramatisch verändern.

Gefragt sind nachhaltige Geschäftsmodelle.
Gefragt sind nachhaltige Geschäftsmodelle.

Aufgrund dieser Megatrends wandeln sich schon heute die Ansprüche, Erwartungen, Wertvorstellungen und Bedürfnisse von Verbrauchern, Kapitalgebern, Politikern und Mitarbeitern erheblich. Ein Trend, der sich mit Zahlen belegen lässt: Für etwa 64 Prozent der Befragten einer Studie der Otto Group zum ethischen Konsum sind ethische Kriterien fester Bestandteil ihrer Kaufüberlegung. Zu solchen Kriterien gehören beispielsweise menschenwürdige Arbeitsbedingungen, umweltfreundliche Produktion ebenso wie fairer Handel oder Wiederverwertbarkeit. „Es geht den Konsumenten darum, welchen sozialen und ökologischen Fußabdruck die Produkte von ihrer Entstehung bis zur Entsorgung hinterlassen. Und es geht um das Thema Lieferkette“, betonte Ludwig.

Zwei von drei Verbrauchern denken beim Kauf auch an ethische Aspekte
Zwei von drei Verbrauchern denken beim Kauf auch an ethische Aspekte

Zunehmend interessieren sich auch Mitarbeiter dafür, ob die Firma, in der sie arbeiten, nachhaltig wirtschaftet. Eine Studie der Unternehmensberatung Bain & Company macht das eindrucksvoll deutlich: 70 Prozent der Beschäftigten achten laut Bain & Company heute stärker als noch vor drei Jahren auf umweltgerechtes Verhalten und faire Arbeitsbedingungen. Wenn es um die Wahl des Arbeitgebers geht, hat eine glaubwürdige Nachhaltigkeitsstrategie bereits bei mehr als der Hälfte der unter 40-jährigen einen großen Einfluss. Und 15 Prozent der Angestellten in Industrie- und Schwellenländern würden auf ein höheres Gehalt verzichten, um für ein ‚grünes‘ Unternehmen zu arbeiten.

Nachhaltigkeit macht erfolgreicher im Personalmarketing - Nachhaltige Unternehmen sind für junge Talente attraktiver
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Und was ist mit den Anlegern? „Für Kapitelgeber wird es immer wichtiger, Gutes zu tun. Und auf Rendite müssen sie dabei keineswegs verzichten“, sagte Ludwig. 90 Prozent von rund 2.000 Studien kommen zu dem Ergebnis, dass nachhaltige Anlagen genauso rentabel oder sogar rentabler als nicht-nachhaltige sind. Und die Börsenwertverluste der Energieversorger nach dem Atomausstieg oder der Banken seit der Bankenkrise sprechen eine klare Sprache: Der Kapitalmarkt straft nicht-nachhaltige Geschäftsmodelle ab.

Mit Nachhaltigkeit können Unternehmen Risiken senken

Dieses komplexe Umfeld stärkt die chemische Industrie in ihrem Bestreben, noch mehr als bisher auf Nachhaltigkeit zu setzen. „Denn Unternehmen, die sich diesen veränderten Erwartungen stellen und die Bedürfnisse und Wünsche der Stakeholder erfüllen, werden erfolgreicher sein als solche, die an überholten Geschäftsmodellen hängen“, prognostizierte Ludwig. Sie verwies darauf, dass einige Unternehmen der chemischen Industrie bereits erhebliche Anstrengungen unternommen hätten, um den ökologischen Fußabdruck ihrer Produktion möglichst klein zu halten, den Wert für das Unternehmen und für die Gesellschaft zu erhöhen sowie ihr Handeln nach außen transparent und glaubwürdig zu vermitteln. „Das ist gut. Aber wir brauchen eine Bewegung der gesamten Branche und in allen Unternehmensbereichen“, unterstrich Ludwig die Herausforderung, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Nachhaltigkeit bedeute nicht nur Chancen zu nutzen, sondern auch Risiken zu minimieren. Und das heißt für die VCI-Kommunikationschefin konkret: Die Unternehmen müssen sich intensiv mit den Bedürfnissen der Gesellschaft auseinandersetzen, eigene Schwachstellen beseitigen, aber ebenso gemeinsame Wege suchen.

Auch die Vielzahl politischer Initiativen, analysierte Ludwig, haben erhebliche Konsequenzen für Deutschlands drittgrößten Industriezweig. Hierzu zählten verschiedene multilaterale, europäische und nationale Standards und Vorgaben im Bereich Nachhaltigkeit wie beispielsweise die europäischen Klimaschutzvorgaben, neue Pflichten zur nicht-finanziellen Berichterstattung der Unternehmen oder das Kreislaufwirtschaftspaket der EU.

Nachhaltigkeitsinitiative der Branche

Mit der 2013 initiierten Nachhaltigkeitsinitiative Chemie3 von VCI, IG BCE und BAVC will man dem skizzierten Umfeld Rechnung tragen, erläuterte Ludwig weiter. Ziel der Initiative ist es, die Position der Branche als Schlüsselindustrie für eine nachhaltige Entwicklung weiter auszubauen und so die Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland zu sichern. Dabei könne sich die Chemieindustrie schon seit langem auf ihr Responsible-Care-Programm und die Sozialpartnerschaft stützen, so Ludwig.

Chemie3 habe mittlerweile vielfältige Unterstützungsprogramme für die Mitgliedsunternehmen aufgelegt, um vor allem kleine und mittelständische Betriebe auf dem Weg zur Nachhaltigkeit mitzunehmen: So gibt es den Nachhaltigkeits-Check, die ‚Leitlinien konkret‘ mit Praxis-Beispielen oder Fachveranstaltungen zu Themen wie Nachhaltigkeits-Berichterstattung oder Nachhaltigkeit im Innovationsprozess. Ludwig ist überzeugt: „An Nachhaltigkeit kommen erfolgreiche Unternehmen heute nicht mehr vorbei.“

Der im Download-Bereich im Kopf dieser Seite als PDF-Datei abrufbare Original-Vortrag mit einem Umfang von 24 Seiten behandelt folgende Aspekte und untermauert diese Thesen:

  • Megatrends: Das Umfeld der Chemie ändert sich gravierend
  • Chancen für nachhaltige Lösungen aus der Chemie
  • Gefragt sind nachhaltige Geschäftsmodelle
  • Zwei von drei Verbrauchern denken beim Kauf auch an ethische Aspekte
  • Nachhaltigkeit macht erfolgreicher im Personalmarketing
  • Worauf es Mitarbeitern ankommt
  • Nachhaltige Unternehmen sind mindestens genauso renditestark
  • NGO: Ausgewählte Themen und Kampagnen
  • Politik: Nachhaltigkeit immer mehr im Fokus
  • Chemie3 - Eine Dreier-Allianz
  • Chemie3: Eine Strategie zur Zukunftssicherung der Branche
  • 12 Leitlinien zur Nachhaltigkeit
  • Strategische Ziele der Initiative bis 2017
  • Der Chemie3-Nachhaltigkeitscheck
  • Weitere Unterstützungsangebote von Chemie3
  • Stakeholder-Dialog
  • Fortschritte belegbar und transparent machen
  • Was wir bisher erreicht haben
  • Wo wir Herausforderungen sehen

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Ansprechpartner

Dr. Martina Ludwig

E-Mail: ludwig@vci.de