Diskussion auf der Finanzmesse INVEST

Kohle machen ohne Kohlendioxid?

Auf Einladung der ARD-Börsenredaktion hat VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann Anfang April an einer Podiumsdiskussion in Stuttgart teilgenommen. Dabei ging es unter anderem um die Frage, wie Anleger mit ihren Investitionen zum Klimaschutz beitragen können und wie die energieintensiven Industrien die Pläne der EU zu Sustainable Finance sehen.

Über die Finanzwelt im Klimawandel sprachen (von links): Utz Tillmann (VCI), Michael Schmidt (Lloyd Fonds), Dorothee Holz (ARD), Prof. Karsten Neuhoff (DIW) und Ingo Speich (Deka Investment). - Foto: © Messe Stuttgart
Über die Finanzwelt im Klimawandel sprachen (von links): Utz Tillmann (VCI), Michael Schmidt (Lloyd Fonds), Dorothee Holz (ARD), Prof. Karsten Neuhoff (DIW) und Ingo Speich (Deka Investment). - Foto: © Messe Stuttgart

Spätestens seit dem Weltklimagipfel von Paris im Jahr 2015 wird in Europa diskutiert, wie eine kohlenstoffarme Wirtschaft aussehen kann. In der Finanzwelt ist das Thema auch angekommen, „grüne“ und „nachhaltige“ Finanzprodukte boomen. Die EU-Kommission hat im Frühjahr 2018 Verordnungsvorschläge zu den Themenfeldern Taxonomie nachhaltiger Investments, Pflichten für Investoren und Referenzwerte für eine kohlenstoffarme Wirtschaft vorgelegt. Was diese für Anleger bedeuten, diskutierte Börsenredakteurin Dorothee Holz mit Michael Schmidt von Lloyd Fonds, Ingo Speich von Deka Investment, Prof. Karsten Neuhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann. Dabei wurde deutlich, dass eine treibhausgasneutrale Wirtschaft nur mit erheblichen Investitionen zu machen ist.

Strukturwandel der Wirtschaft

Schmidt war Mitglied der Expertengruppe, die die EU zum Thema Sustainable Finance beraten hat. Er erklärte, dass es bei dem Thema um die Frage gehe, wie die Finanzindustrie zu den Klimazielen von Paris beitragen könne: „Wir kennen das aus dem Supermarkt. Da gibt es Bio-Label, und das Gleiche kann man sich natürlich auch für Finanzprodukte vorstellen.“ Speich ergänzte, dass es nicht nur um grüne Anlagemöglichkeiten gehe: „Alle Unternehmen sind von der EU-Regulierung betroffen. Es geht um die Großunternehmen im DAX und im EURO STOXX 50, die nicht so schnell manövrieren können.“

VCI-Hauptgeschäftsführerer Utz Tillman: „Eine ‚Taxonomie' für nachhaltige Investments muss berücksichtigen, ob Unternehmen auch Produkte anbieten, die wichtig für die Nachhaltigkeit oder die Erzeugung von erneuerbarem Strom sind." - Foto: © Messe Stuttgart

Tillmann beklagte, dass die Finanzwirtschaft noch zu wenig Verständnis für die Industrie aufbringe: „Die Taxonomie springt zu kurz. Sie lässt völlig außer Acht, ob Unternehmen auch Produkte anbieten, die wichtig für Nachhaltigkeit oder die Erzeugung von erneuerbarem Strom sind.“ Außerdem sei für die energieintensiven Industrien zusätzlicher Druck von den Finanzmärkten nicht nötig. Über den Handel mit CO2-Zertifikaten sorge der europäische Emissionshandel von selbst dafür, dass die regulierten Branchen ihre Klimaschutzziele erreichen.

Neuhoff war diesbezüglich weniger optimistisch: „Ich glaube, dass wir zusätzlich zum Emissionshandel weitere Instrumente brauchen, um sicherzustellen, dass der CO2-Preis seine volle Wirkung entfalten kann.“

Einigkeit herrschte aber auf dem Podium darüber, dass der Strukturwandel der Wirtschaft nicht einfach werden wird. Die Finanzindustrie wolle die Wirtschaft bei den bevorstehenden Transformationsprozessen begleiten, so Schmidt: „Es geht nicht darum, von heute auf morgen einen Hebel umzulegen. Das wäre unverantwortlich.“


Dieser Artikel ist im chemie report 04/2019 erschienen.

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