Vierte Chemie³-Fachveranstaltung

Für mehr Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Wie kann man Nachhaltigkeit besser in der Lieferkette verankern? Mit dieser komplexen Frage beschäftigte sich vor kurzem die vierte Chemie³- Fachveranstaltung in Frankfurt. Das Resümee: Die Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen, dieses Ziel zu erreichen.

Das Thema nachhaltige Lieferkette gewinnt zunehmend an Bedeutung. - Foto: © Victoria - Fotolia.com
Das Thema nachhaltige Lieferkette gewinnt zunehmend an Bedeutung. - Foto: © Victoria - Fotolia.com

Das Thema „Nachhaltigkeit“ entlang der Lieferkette rückt immer stärker in den Fokus. Konsumenten meiden zunehmend Produkte, bei deren Herstellung soziale Standards missachtet werden oder die Umwelt geschädigt wird. Über die Lieferkette sind deutsche Chemieunternehmen direkt betroffen. Welche neuen politischen Rahmenbedingungen entstehen, welche Herausforderungen sich daraus für Firmen ergeben und welche Lösungsansätze es bereits gibt, stand im Mittelpunkt der Fachveranstaltung Lieferkettenmanagement. Hierzu hatte Chemie3 ihre Mitglieder im September nach Frankfurt eingeladen.

Podiumsdiskussion - Von links: Eckhard Koch (VCI), Klaus Wiesen, Stefan Haver.
Podiumsdiskussion - Von links: Eckhard Koch (VCI), Klaus Wiesen, Stefan Haver. © VCI / Arne Landwehr

War per Videokonferenz zugeschaltet: Michael Winduhr.
War per Videokonferenz zugeschaltet: Michael Winduhr. © VCI / Arne Landwehr
Über die Auswirkungen der nationalen Umsetzung der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte auf Unternehmen berichtete Michael Windfuhr, stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Es werde eine wachsende Rechtsverbindlichkeit geben, so der Experte. Die Leitprinzipien beziehen sich zwar primär auf die Verantwortung von Staaten, die Menschenrechte einzuhalten und entsprechende Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Die Leitprinzipien erklären aber auch Unternehmen zu maßgeblichen Akteuren dieses Prozesses – vor allem über ihre Lieferbeziehungen.




Grundvoraussetzung Transparenz

Klaus Wiesen
Klaus Wiesen © VCI / Arne Landwehr
Klaus Wiesen, Projektleiter beim Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, erläuterte am Beispiel von Palmöl die Komplexität globaler Lieferketten und hob die Notwendigkeit der Rückverfolgbarkeit von Produkten hervor. Transparenz in der Lieferkette sei Grundvoraussetzung für das Management von Risiken, so Wiesen. Um Unternehmen eine bessere Kontrolle der Lieferkette zu ermöglichen, kündigte er ein neues Tool – „Sustainabill.de“ – an.





Stefan Haver
Stefan Haver © VCI / Arne Landwehr
Von Unternehmensseite betonte Stefan Haver, Head of Corporate Responsibility bei Evonik, die Möglichkeit, wirtschaftlich positive Effekte aus einem Nachhaltigkeitsmanagement entlang der Lieferkette zu ziehen. Die Chemie sei eine Schlüsselindustrie für Nachhaltigkeit. Bei Industriekunden erlebe er eine verstärkte Nachfrage nach grünen Produkten und Lösungen. Dies biete Wachstumschancen in neuen Märkten.






Marcel Engel
Marcel Engel © VCI / Arne Landwehr
Marcel Engel, Leiter der deutschen Geschäftsstelle des Deutschen Global Compact Netzwerkes (DGCN), unterstrich die Bedeutung der Wirtschaft bei der Umsetzung der globalen Entwicklungsziele und stellte die verschiedenen Lern- und Dialogformate vor, mit denen das DGCN den gegenseitigen Austausch und Wissenstransfer fördert.







Enge Zusammenarbeit zwischen TfS und Chemie3 geplant

Gabriele Willenbrinck
Gabriele Willenbrinck © VCI / Arne Landwehr
Gabriele Willenbrinck, Head of Process & Quality bei Lanxess Deutschland, präsentierte die Initiative „Together for Sustainability“ (TfS), einer gemeinsamen Initiative international tätiger Chemieunternehmen. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten voranzubringen. TfS hat dafür zwei Instrumente für die Nachhaltigkeitsbewertung von Lieferanten entwickelt: das Assessment via Fragebogen und den Audit-Prozess. Die Ergebnisse der Bewertung werden unter den TfS-Mitgliedern auf einer Plattform geteilt.



Tanja Reilly
Tanja Reilly © VCI / Arne Landwehr
Partner des Prozesses ist die Ratinggesellschaft EcoVadis, die gemeinsam mit TfS den Fragebogen entwickelt hat. Tanja Reilly, Account Executive Germany bei EcoVadis, erläuterte die Vorteile dieser Plattform. So könne jeder Einkäufer seine Lieferkette sehen und feststellen, wie gut er sei und wo noch Verbesserungspotenziale liegen. Um auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit zu geben, das Thema Nachhaltigkeit in ihrer Lieferkette voranzubringen, wollen TfS und die Allianzpartner der Initiative Chemie3 eng zusammenarbeiten.





Über Entwicklungspartnerschaften zwischen Staat und Privatwirtschaft und die Möglichkeit, damit Nachhaltigkeit in globale Lieferketten einzubringen, berichteten Friedrich Barth, Leiter des Sektorvorhabens Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), und Ulla Keppel, Projektmanagerin der GIZ.

Friedrich Barth
Friedrich Barth © VCI / Arne Landwehr
Ulla Keppel
Ulla Keppel © VCI / Arne Landwehr

Rita Köster
Rita Köster © VCI / Arne Landwehr
Wie eine solche Entwicklungspartnerschaft beispielhaft aussehen kann, zeigte BASF-Nachhaltigkeitsmanagerin Rita Köster am Beispiel eines Projektes von BASF Personal Care & Nutrition, Cargill und der GIZ zur nachhaltigen Produktion von Kokosöl auf den Philippinen.

Gut besucht war die Chemie³-Fachveranstaltung zur nachhaltigen Lieferkette.
Gut besucht war die Chemie³-Fachveranstaltung zur nachhaltigen Lieferkette. © VCI / Arne Landwehr








Rege Beteiligung aus dem Publikum zeigte das Interesse am Thema.
Rege Beteiligung aus dem Publikum zeigte das Interesse am Thema. © VCI / Arne Landwehr
Die unterschiedlichen Aspekte der Referenten machte vor allem eines deutlich: Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu verankern, ist eine komplexe und nicht leichte Aufgabe.













Dieser Artikel wird in leichter Modifizierung im chemie report 11/2016 erscheinen.

Hinweis für die Mitglieder der Allianzpartner von Chemie3:

Die Vorträge der Fachveranstaltung stehen im Mitgliederbereich der Chemie-hoch-3-Plattform für Sie zum Download bereit. Halten Sie dafür bitte Ihre Zugangsdaten für diese Plattform bereit (ungleich Zugangsdaten für den Mitgliederbereich von VCI-Online!) oder registrieren Sie sich über den blauen Button „Mitgliederbereich" auf der Chemie3-Plattform rechts oben.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Elena Schad

E-Mail: schad@vci.de