"Chemie hoch 3" - Tagung mit Stakeholdern der Branche

Nachhaltigen Dialog führen

Für "Chemie hoch 3", die Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie, ist die kritische Begleitung ihrer Ziele und Inhalte durch alle gesellschaftlichen Kräfte ausdrücklich erwünschter Teil des Dialogprozesses. Daher hatten die Allianzpartner rund hundert Stakeholder zu der Tagung "Chemie und Nachhaltigkeit - Leistungen, Lösungen und Herausforderungen" nach Nauen bei Berlin eingeladen.

Die Allianzpartner von Chemie-hoch-3 und externe Experten diskutierten über Chemie und Nachhaltigkeit. © VCI/Nürnberger
Die Allianzpartner von Chemie-hoch-3 und externe Experten diskutierten über Chemie und Nachhaltigkeit. © VCI/Nürnberger

Nachhaltigkeit ist für die chemische Industrie weder eine Modeerscheinung noch eine Eintagsfliege. Viele Chemiefirmen haben Nachhaltigkeit schon zum Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie gemacht oder handeln zumindest in Teilbereichen schon nachhaltig. Nachhaltigkeit als Kerngedanken unternehmerischen Handelns in der Branche weiter voranzutreiben, ist das Ziel der Initiative Chemie3, die gemeinsam von Wirtschaftsverband, Gewerkschaft und Arbeitgebern getragen wird. Diese ungewöhnliche Konstellation sorgt dafür, dass die Anliegen der Initiative in der Belegschaft und im Management ankommen.

Chemie3 hat sich für 2014 das Ziel gesetzt, die Unternehmen bei der Umsetzung der im letzten Jahr verabschiedeten Leitlinien zu unterstützen und den Dialog mit allen gesellschaftlichen Kräften über die Leistungen und Beiträge der Branche für eine nachhaltige Entwicklung fortzuführen. Kritische Begleitung der Ziele und Inhalte von Chemie3 oder Anregungen und Empfehlungen für ihre Umsetzung sind ausdrücklich erwünschter Bestandteil des Dialogprozesses. Daher hatten VCI, IG BCE und BAVC Ende Mai rund 100 Stakeholder zu der Tagung "Chemie und Nachhaltigkeit - Leistungen, Lösungen und Herausforderungen" nach Nauen auf das Landgut Borsig, gut 50 Kilometer nordwestlich von Berlin, eingeladen.

Vertreter aus der Branche erläuterten Ziele und Beweggründe für die Initiative, die in einer Gesprächsrunde unter der Überschrift „Nachhaltigkeit in der Chemie“ mit den Experten Günther Bachmann (Generalsekretär beim Rat für Nachhaltige Entwicklung), Thomas Fricke (Chief Economist bei der European Climate Foundation) und Claus Jacob (Forschungsleiter beim Forschungszentrum für Umweltpolitik) auf dem Podium diskutiert und vertieft wurden. In vier parallelen Workshops tauschten die Teilnehmer zudem ihre Erfahrungen und Positionen über folgende Themenfelder aus:

  • Nachhaltigkeit als Innovationsmotor,
  • gelebte Sozialpartnerschaft als Treiber von Nachhaltigkeit,
  • Nachhaltigkeit in der Lieferkette und
  • Unternehmen als Partner einer nachhaltigen Entwicklung.

Die wesentlichen Eckpunkte und Erkenntnisse des Tages lassen sich in sieben Thesen zusammenfassen:

  1. Nachhaltigkeit ist weder ein Modethema noch eine Eintagsfliege in der Branche.
  2. Die gleichrangige Betrachtung der drei Dimensionen von Nachhaltigkeit – Wirtschaft, Umwelt und soziale Verantwortung – wird sich in Zukunft durchsetzen.
  3. Chemie3 sucht den Dialog mit der Gesellschaft und will durch Transparenz und konkretes Handeln Vertrauen gewinnen.
  4. Chemie3 ist eine Initiative der Branche mit politischer Signalwirkung, die das Potenzial hat, konkrete Veränderungen in der Branche in Richtung Nachhaltigkeit in Gang zu setzen.
  5. Chemie3 steckt zwar noch in den Kinderschuhen. In diesem Jahr ist die Initiative aber mit der Entwicklung des Nachhaltigkeits-Checks für mittelständische Betriebe in der deutschen Chemie einen wichtigen Schritt vorangekommen.
  6. Die deutsche Chemie ist in der sozialen Dimension bereits sehr gut aufgestellt. Das zeigen zum Beispiel die innovativen Tarifverträge und die gute Entlohnung.
  7. Die soziale Dimension von Nachhaltigkeit und der Faktor Mensch mit seiner Arbeitswelt müssen in der Nachhaltigkeitsdebatte stärker in den Fokus genommen werden.

Vorträge, Ergebnisse der Workshops, Zusammenfassung der Podiumsdiskussion und weitere Unterlagen der Tagung finden Sie auf der Plattform www.chemiehochdrei.de . Sie können die Dokumentation der Veranstaltung außerdem unter "Ergänzende Downloads" im Kopf dieser Seite herunterladen (PDF, 23 Seiten). Außerdem berichten wir ausführlich in der Juni-Ausgabe des chemie report über die Tagung.

Zitate aus der Diskussionsveranstaltung in Nauen:

Utz Tillmann,
Hauptgeschäftsführer des VCI:

„Nachhaltigkeit ist vor allem einen Chance für die Branche, ihre Lösungen einbringen zu können – zum Beispiel um das Problem der begrenzten natürlichen Ressourcen anzugehen.“

Wolfgang Goos,
Hauptgeschäftsführer des BAVC:

„Wir praktizieren in der Chemie seit Jahrzehnten echte Sozialpartnerschaft, die wir immer weiter verfeinern. Das ist unser Erfolgsgeheimnis für Wettbewerbsfähigkeit, gute Arbeit und ein wichtiger Beitrag zur sozialen Dimension von Nachhaltigkeit.“

Michael Linnartz,
Bereichsleiter Nachhaltigkeit in der IG BCE

„In der Chemie haben sich die Sozialpartner schon vor Jahren den Herausforderungen des demografischen Wandels gestellt. Der Tarifvertrag Lebensarbeitszeit und Demografie bietet Raum für passgenaue betriebliche Umsetzungen.“

Günther Bachmann,
Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung

„In Deutschland wird zu viel über Nachhaltigkeit gequatscht und zu wenig ernsthaft diskutiert. Seriöser Dialog kommt selten vor. Chemie3 bildet hier eine Ausnahme.“

Klaus Jacob,
Forschungsleiter im Forschungszentrum für Umweltpolitik

„Wir überschreiten in vielen Kriterien die planetaren Grenzen, zum Beispiel bei den Emissionen von Treibhausgasen. Wie auch immer man Nachhaltigkeit definiert, am Ende des Tages brauchen wir Lösungen um diese Grenzen einhalten zu können. Die dafür notwendigen Innovationen werden von der Politik angetrieben.“

Thomas Fricke,
Chief Economist der Climate Foundation

“Die Chemie hat gezeigt, dass Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz kein Widerspruch sein müssen. Sie hat ihre Produktion erheblich ausgeweitet und trotzdem die CO2-Emissionen deutlich reduziert. Wachstum und Umweltentlastung, beides ist möglich. Eine ideologische Debatte hilft nicht weiter."

Erläuterung zum Foto:
Vertreter der Allianzpartner von Chemie3 und externe Experten diskutieren auf der Tagung in Nauen über Chemie und Nachhaltigkeit. Auf dem Podium v.l.n.r.: Wolfgang Goos, Utz Tillmann, Günther Bachmann, Moderator Norbert Lehmann, Klaus Jacob, Michael Linnartz und Thomas Fricke.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Jörg-Olaf Jansen

E-Mail: jansen@vci.de

Stud. Ass. Manfred Ritz

E-Mail: ritz@vci.de