Neu denken, verändern, transformieren: Wie kann Innovation den Weg Richtung Nachhaltigkeit ebnen?

Ängste der Menschen vor Innovationen ernst nehmen

Mehr Internationalität, bessere Aufklärung der Chemiebeschäftigen über Nachhaltigkeit und eine Stärkung der Nachhaltigkeitskompetenzen in der Ausbildung - so lauteten die zentralen Forderungen in der Podiumsdebatte „Neu denken, verändern, transformieren“ im Rahmen der Chemie³-Tagung in Berlin.

Stefan Buchholz, Evonik Creavis; Ralph Nonninger, Deutscher Verband Nanotechnologie; Karl Eugen Huthmacher, BMBF; Kai-Uwe Hemmerich, Clariant Produkte; Andreas Suchanek, Handelshochschule Leipzig. (v.l.) © CWFG / Nürnberger
Stefan Buchholz, Evonik Creavis; Ralph Nonninger, Deutscher Verband Nanotechnologie; Karl Eugen Huthmacher, BMBF; Kai-Uwe Hemmerich, Clariant Produkte; Andreas Suchanek, Handelshochschule Leipzig. (v.l.) © CWFG / Nürnberger

Achim Halpaap (UNEP) war per Videobotschaft zugeschaltet (Klick auf's Bild vergrößert es!) - Foto:
Achim Halpaap (UNEP) war per Videobotschaft zugeschaltet (Klick auf's Bild vergrößert es!) - Foto: © CWFG / Nürnberger
Achim Halpaap vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen sprach in einer Videobotschaft aus Genf zum Auditorium der Tagung. Die Brancheninitiative Chemie3 sei ein sehr guter Ansatz, der viel für die UN-Agenda 2030 zu bieten habe. Seine positive Botschaft verknüpfte er jedoch gleich mit einem Wunsch: Es sei umso wichtiger, dass sich die Initiative noch aktiver in die inter-nationale Debatte einbringe.

Dass jedoch die Politik die Leitplanken für eine nachhaltige Politik setzen müsse, um Innovation voranzutreiben, daran erinnerte Karl Eugen Huthmacher, Leiter der Abteilung Zukunftsvorsorge im Bundesforschungsministerium. Er bekräftigte aber: „Innovation kann man nicht verordnen, Innovation muss man gestalten.“

Als Betriebsratsvorsitzender hat Kai-Uwe Hemmerich, Clariant Produkte GmbH, vor allem die Mitarbeiter im Blick. Er kritisierte, dass Nachhaltigkeit bisher zu abstrakt erläutert worden sei. Damit sich die Beschäftigten hierfür mehr engagieren können, müssten sie besser aufgeklärt werden. Diesem Anspruch pflichtete Ralph Nonninger, Präsident des Deutschen Verbandes Nanotechnologie, bei. Eine größere Einbindung der Mitarbeiter erfordere aber Gestaltungskompetenz. Und diese müsse schon früh gelehrt werden, indem man beispielsweise transdisziplinäres Denken fördere. Auch die Nachhaltigkeitskompetenzen in der Ausbildung sollten stärker unterstützt werden, waren sich die Teilnehmer einig.

Sorgen und Ängste der Bevölkerung ernst nehmen

Wirtschaftsethiker Andreas Suchanek von der Handelshochschule Leipzig brachte mit seinem Hinweis auf mögliche negative Folgen von Innovationen und Veränderungen einen weiteren Aspekt in die Diskussion ein. So erzeuge Innovation zwar Wohlstand, doch es würde den Menschen auch vieles abverlangt: Manche würden beispielsweise dadurch ihre Arbeit verlieren und ausgeschlossen werden. Deshalb heißt für ihn „Innovation für nachhaltige Entwicklung, den steigenden Bedarf der Menschen an Stabilität, Verlässlichkeit, Vertrautheit und Vertrauen im Blick zu haben" „Denn wer gibt uns das Vertrauen, dass Innovationen dem Wohl aller Menschen dienen?“, fragte er kritisch in die Runde. Die Sorgen und Ängste der Menschen müsse die Chemie deshalb ernst nehmen. Ein zentraler Punkt sei gegenseitiger Respekt als Grundlage für Vertrauen.

Als einen ganz zentralen Aspekt bezeichnete Stefan Buchholz, Managing Director bei Evonik Creavis GmbH, deshalb Transparenz und Messbarkeit für nachhaltiges Wirtschaften. Gleichzeitig warnte er davor, in einer Dimension von Nachhaltigkeit auf Kosten einer anderen Dimension besser werden zu wollen.

Die Podiumsdiskussion machte zweierlei deutlich:

  • Nachhaltigkeit braucht Innovationen.
  • Auf die chemische Industrie wartet eine verantwortungsvolle Aufgabe: eine bessere Information nicht nur der Mitarbeiter zu nachhaltigem Wirtschaften – konkret, respektvoll und mit überzeugenden Argumenten.

Die Diskussion ins Bild gebracht

Der Künstler Daniel Osterwalder übersetzte die Überlegungen der Diskussionsteilnehmer in Bilder (Klick auf's Bild vergrößert es!).
Der Künstler Daniel Osterwalder übersetzte die Überlegungen der Diskussionsteilnehmer in Bilder (Klick auf's Bild vergrößert es!). © Daniel Osterwalde


Dieser Aritkel ist im chemie report 12/2016 erschienen. Den Gesamtbericht daraus zu dieser Veranstaltung finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite („Ergänzende Downloads"; 4-seitige PDF-Datei).