Standpunkt

Nachhaltigkeit braucht wirtschaftliche Stärke und Innovation

Die chemische Industrie ist ein starker Partner für mehr Nachhaltigkeit – mit innovativen Medikamenten und energiesparenden Werkstoffen oder Verfahren, die Ressourcen und Umwelt schonen. Damit machen Chemieunternehmen Nachhaltigkeit erst möglich. Die Zeit für einseitige ökologische Imperative an die Branche sollte vorbei sein.

VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers © Bayer AG
VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers © Bayer AG

Nachhaltigkeit und chemische Industrie gehören zusammen. Für viele Menschen klingt das nach einem Widerspruch. Dass chemische Reaktionen Grundlage der Natur sind, sollte Schulwissen sein. Aber die Steuerung chemischer Prozesse durch den Menschen – insbesondere im industriellen Maßstab – wird oft als gegen die Natur gerichtet verstanden. Inzwischen gibt es in der chemischen Industrie jedoch niemanden mehr, der Nachhaltigkeit nicht als nötiges Ziel begreift. Wie ernst die Branche das Thema nimmt, beweist die Initiative Chemie3.

Nachhaltigkeit hat drei Dimensionen: die ökologische, die ökonomische und die soziale. Nach meiner Auffassung muss es darum gehen, diese drei Dimensionen gleichberechtigt zur Geltung zu bringen. Tatsächlich wird aber der ökologischen Dimension noch immer Vorrang eingeräumt. Aus der Ökologie werden einseitig Imperative für die Wirtschaft abgeleitet. Ich halte das für einen fatalen Fehler. Nachhaltigkeit, vor allem auch die ökologische Dimension, kann heute nur mit Hilfe der Wirtschaft erreicht werden. Das setzt voraus, dass dabei die Gesetze des wirtschaftlichen Handelns berücksichtigt werden. Andernfalls werden die Forderungen unerfüllbar.

Ohnehin werden die Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften immer anspruchsvoller. Heute fallen darunter auch der Umgang mit Mitarbeitern, Fairness im Marketing, Achtsamkeit in der Wertschöpfungskette und viele weitere Kriterien. Ein Unternehmen kann nur dann wirklich nachhaltig wirtschaften, wenn es ökonomisch erfolgreich ist. Das gilt auch für die Energiewende. Mehr Klimaschutz wird von ihr nur dann ausgehen, wenn sie die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen nicht gefährdet.

(Chemie)Unternehmen lediglich als Akteure zu sehen, die bestimmte Kriterien für Nachhaltigkeit erfüllen müssen, greift zu kurz. Denn sie machen Nachhaltigkeit erst möglich. Das Leben von mehr als sieben Milliarden Menschen auf diesem Planeten lässt sich nur mit innovativen Produkten und Verfahren nachhaltig gestalten.

Dennoch gibt es Skepsis gegenüber Innovationen – mehr als mancher denkt – auch in Deutschland. Dabei gelten die Vorbehalte nicht den Innovationen als solchen, sondern den Risiken, die sie mit sich bringen können. Die chemische Industrie nimmt Risiken ernst und geht verantwortlich mit ihnen um. Das beweisen wichtige Brancheninitiativen wie „Responsible Care“ oder das gemeinsame Projekt zum Humanbiomonitoring mit dem Bundesumweltministerium. Aber: Um mehr Nachhaltigkeit zu erreichen, müssen wir Risiken eingehen, die auf der Basis von wissenschaftlichen Fakten zu bewerten sind. Die chemische Industrie ist ein starker Partner für mehr Nachhaltigkeit – mit innovativen Medikamenten und energiesparenden Werkstoffen oder Verfahren, die Ressourcen und Umwelt schonen. Nachhaltigkeit braucht mehr Chemie statt weniger.

Dr. Marijn E. Dekkers,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner
dialog@vci.de

Zum chemie report 11/2014 mit Leitartikel zur gemeinsamen Konferenz von Chemie3 und RNE zur Frage: "Nachhaltige Entwicklung - eine Frage der richtigen Chemie?"

Zur Website von Chemie3, der Nachhaltigkeitsinitiative der deutschen Chemie