Großbritannien wird aus der Europäischen Union austreten

Weniger Chemieexporte nach dem Brexit

Großbritannien hat sich entschieden. Im Referendum vom 23. Juni 2016 haben die Briten mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Damit bricht eine Phase latenter Unsicherheit an. Die mehrjährigen Verhandlungen über den Austritt werden die Institutionen der EU stark in Atem halten. Auch die Wirtschaft muss sich der neuen Realität stellen.

Brexit ohne Cameron - Der englische Premierminister hat unmmittelbar nach dem Referendum seinen Rücktritt für Oktober angekündigt. - Foto: © picture alliance / AP Photo
Brexit ohne Cameron - Der englische Premierminister hat unmmittelbar nach dem Referendum seinen Rücktritt für Oktober angekündigt. - Foto: © picture alliance / AP Photo

Großbritannien trennt künftig mehr als nur der Ärmelkanal von der EU. Das Land verliert jeglichen Einfluss auf die Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen im Staatenverbund und auf notwendige Reformen. Eine stark national geprägte Wirtschafts- und Sozialpolitik wird die Probleme der Briten aber nicht lösen können. Im Gegenteil: Der Insel drohen nun eine Rezession, ein langfristig schwächeres Wirtschaftswachstum und der Verlust von Arbeitsplätzen.

Konsequenz der Abstimmung: Großbritannien ist derzeit der sechstwichtigste Handelspartner und der viertgrößte Auslandsstandort für die Branche. Nach dem Brexit wird das Land im Chemiegeschäft an Bedeutung verlieren. - KLICK auf die Grafik vergrößert sie! - Quellen: Statistisches Bundesamt, VCI
Konsequenz der Abstimmung: Großbritannien ist derzeit der sechstwichtigste Handelspartner und der viertgrößte Auslandsstandort für die Branche. Nach dem Brexit wird das Land im Chemiegeschäft an Bedeutung verlieren. - KLICK auf die Grafik vergrößert sie! - Quellen: Statistisches Bundesamt, VCI
Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner für die Chemie. Im letzten Jahr verkaufte die Branche Produkte im Wert von 12,9 Milliarden Euro dorthin. Das entspricht einem Anteil von 7,3 Prozent an den deutschen Chemieexporten. Zum Vergleich: Nach China exportierte die Branche mit 6,9 Milliarden Euro nur knapp die Hälfe. Den größten Anteil an den deutschen Chemieausfuhren nach Großbritannien machen Pharmazeutika und Spezialchemikalien aus.

Auch als Produktions- und Vertriebsstandort spielt das Vereinigte Königreich für deutsche Chemieunternehmen eine gewichtige Rolle: Derzeit ist die Branche mit 63 Tochtergesellschaften in Großbritannien aktiv. Sie beschäftigt dort rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro.

Deutsche Chemie prüft Strategie

Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU schadet nicht nur dem Land selbst, sondern wird auch für die deutsche Chemieindustrie weitreichende Folgen haben. Denn die Rezession und das abgeschwächte Wirtschaftswachstum in Großbritannien werden auf das restliche Europa ausstrahlen - und somit auch auf die deutsche Chemiebranche. Der VCI erwartet in den kommenden Jahren eine deutliche Abschwächung der Chemie- und Pharmaexporte nach Großbritannien, zumal die bevorstehende Abwertung des britischen Pfunds die Ausfuhren zusätzlich verteuert.

Auch die grenzüberschreitenden Investitionen werden voraussichtlich beeinträchtigt. Die mit den Austrittsverhandlungen verbundene Unsicherheit über künftige tarifäre und nichttarifäre Handelshemmnisse wird deutsche Investoren über ihr Engagement in Großbritannien neu nachdenken lassen. Gegebenenfalls ziehen sie Kapital ab. Die Bedeutung Großbritanniens für die deutsche Chemie als Exportmarkt und als Investitionsstandort wird langfristig abnehmen.

Dieser Artikel ist im chemie report 06/2016 erschienen. Im Orginal-Layout finden Sie ihn im Download-Bereich im Kopf dieser Seite.

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E-Mail: meincke@vci.de