Länderreport

Sorgenkind Iran-Geschäft

Die deutsche Industrie setzte große Erwartungen in die Wirtschaftsbeziehung mit dem Iran, nachdem das Atomabkommen im Januar 2016 in Kraft getreten war. Sie haben sich nur teilweise erfüllt. Nachdem die USA nun den Ausstieg aus dem Abkommen verkündet haben, stehen viele deutsche Unternehmen mit US-Bezug vor der Frage, ob sie ihre Iran-Aktivitäten beenden sollen.

Iranische Ölraffinerie in der Nähe von Teheran. - Foto: © picture alliance/AP Photo
Iranische Ölraffinerie in der Nähe von Teheran. - Foto: © picture alliance/AP Photo

Der Iran war auch nach dem Atomabkommen ein komplizierter Handelspartner und Investitionsstandort. Die Wirtschaft ist in großen Teilen zentralisiert und staatlich kontrolliert. So haben viele iranische Betriebe neben wirtschaftlichen auch politische Zielvorgaben zu erfüllen.

Die Entwicklung einer eigenständigen Privatwirtschaft wurde bisher durch regelmäßige staatliche Eingriffe über Preisregulierungen und Subventionen nahezu verhindert. Die immer noch verbreitete Korruption verschärfte die Problematik weiter.

Petrochemie ist wichtigste Sparte

Der wichtigste Sektor der iranischen Wirtschaft ist die Erdöl- und Erdgasproduktion. Als weiterverarbeitende Industrie ist die Chemie eine bedeutende Branche im Iran. Die Petrochemie bildet mit 42 Prozent die wichtigste Chemiesparte, gefolgt von der Polymerproduktion. Der Anteil der anderen Sparten fällt bedeutend geringer aus.

Petrochemie dominiert: Der Iran besitzt nach Saudi-Arabien die größten Erdölreserven weltweit. Daher ist der Anteil der energie- und ressourceninensiven Petrochmie im Vergleich zu anderen Sparten besonders groß. - Quellen: Feri, ChemData, VCI. - Klick auf die Grafik vergrößert sie!
Petrochemie dominiert: Der Iran besitzt nach Saudi-Arabien die größten Erdölreserven weltweit. Daher ist der Anteil der energie- und ressourceninensiven Petrochmie im Vergleich zu anderen Sparten besonders groß. - Quellen: Feri, ChemData, VCI. - Klick auf die Grafik vergrößert sie!

Der Iran hat die Grundstoffchemie als Investitionsschwerpunkt definiert. Nach Angaben der National Petrochemical Company soll sich bis Ende 2018 die Kapazität um etwa 10 Millionen Tonnen auf 72 Millionen Tonnen erhöhen. Dann hätte das Land 59 Petrochemieanlagen. Eine Steigerung auf 120 Millionen Tonnen wird für 2022 angestrebt, etwa 180 Millionen Tonnen sollen es 2025 werden. Ob diese Zielgrößen erreicht werden können, wird von den meisten Beobachtern bezweifelt.

Der Boom ist ausgeblieben

Die Exporte von chemisch-pharmazeutischen Produkten aus Deutschland in den Iran stiegen von 475 Millionen Euro im Jahr 2015 auf immerhin 650 Millionen Euro im Jahr 2017. Der deutsch-iranische Chemiehandel hat sich also intensiviert, aber auf einem vergleichsweise bescheidenen Niveau. Nur 0,3 Prozent des deutschen Chemieexports geht in den Iran.

Zum Anstieg der Direktinvestitionen der deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen nach Abschluss des Abkommens liegen noch keine verlässlichen Daten vor. Experten gehen davon aus, dass auch hier kein Boom feststellbar ist. Die Finanzierung von Großprojekten blieb nach 2015 schwierig. Deutsche Banken, die auch auf dem US-Markt tätig sind, hielten sich schon vor der Entscheidung der US-Regierung zurück.


Dieser Artikel ist im chemie report 06/2018 erschienen.

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Ansprechpartner

Carolina Hupfer

E-Mail: carolina.hupfer@vci.de