Ausblick 2019

Klima in der Weltwirtschaft wird rauer

Im Herbst 2018 hat die globale Konjunktur an Fahrt verloren. Insbesondere in Europa ließ die wirtschaftliche Dynamik nach. Das Tempo der weltweiten Expansion dürfte auch in den nächsten Monaten moderat ausfallen.

Gründe für den Rückgang der globalen Konjunktur sind unter anderem zunehmender Protektionismus, Schwankungen bei den Rohstoffpreisen und Handelsstreitigkeiten. - Foto: © Peter Adrian/Fotolia.com
Gründe für den Rückgang der globalen Konjunktur sind unter anderem zunehmender Protektionismus, Schwankungen bei den Rohstoffpreisen und Handelsstreitigkeiten. - Foto: © Peter Adrian/Fotolia.com

Das Wirtschaftsvertrauen in der EU trübt sich ein. Dies gilt sowohl für die Industrie als auch für die Konsumenten und Dienstleister. In den Stimmungsindikatoren spiegeln sich zahlreiche Unsicherheitsfaktoren wider. Dazu zählen zunehmender Protektionismus, der Handelskonflikt mit den USA, Schwankungen bei den Rohstoffpreisen, die ungelösten Brexit-Verhandlungen und die defizitären Pläne der neuen italienischen Regierung.

Auch in der zurzeit noch wachstumsstarken US-Wirtschaft zeichnet sich eine moderatere Gangart ab. Die Investitionsdynamik lässt nach, da die Effekte der Unternehmenssteuerreform langsam auslaufen. Die Handelsstreitigkeiten mit China drohen darüber hinaus zum Belastungsfaktor zu werden. Im restlichen Amerika entwickelt sich die Wirtschaft weiterhin nur verhalten. Viele Länder Lateinamerikas befinden sich in der Krise. Die Wirtschaft des Schwergewichts Brasilien weist zwar eine Erholung auf, aber die Dynamik bleibt schwach.

INFOGRAFIK: Globale Chemie- und Pharmaproduktion
Saisonbereinigt, Index 2015 = 100, Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in Prozent

Chemie mit Bremsspuren: Weil wichtige Kundenbranchen nicht mehr so stark wachsen, verliert die globale Chemie- und Pharmaproduktion an Fahrt. Insbesondere in der EU und in China lässt die Dynamik nach. - Quellen: Chemdata International, VCI - Klick auf die Grafik vergrößert sie!
Chemie mit Bremsspuren: Weil wichtige Kundenbranchen nicht mehr so stark wachsen, verliert die globale Chemie- und Pharmaproduktion an Fahrt. Insbesondere in der EU und in China lässt die Dynamik nach. - Quellen: Chemdata International, VCI - Klick auf die Grafik vergrößert sie! © VCI

Langsameres Wachstum in Asien

Die asiatischen Länder fungieren auch nicht als Wachstumslokomotiven. In Japan laufen die positiven Effekte vorausgegangener Konjunkturprogramme langsam aus. Auch in der chinesischen Wirtschaft schwächt sich das Wachstum ab. Die Regierung hat zwar als mittelfristiges Wachstumsziel für die Jahre bis 2020 eine Rate von 6,5 Prozent festgelegt. Eine deutliche Unterschreitung ist nicht zu erwarten. Der sich verschärfende Handelskonflikt mit den USA und der massive Anstieg der Unternehmensverschuldung bergen allerdings das Risiko, dass die chinesische Regierung ihr Wachstumsziel deutlich verfehlen wird und es zu einer „harten Landung“ kommt.

INFOGRAFIK: Wachstumsprognosen 2019 und 2019
Wichtige Regionen und Länder im Vergleich, Veränderung gegenüber Vorjahr in Prozent

Quellen: Chemdata International, VCI - Klick auf die Grafik vergrößert sie!
Quellen: Chemdata International, VCI - Klick auf die Grafik vergrößert sie! © VCI

Optimismus in der Industrie schwindet

Für deutsche Unternehmen wird die Wirtschaftslage rauer. Dementsprechend hat sich auch das Geschäftsklima im Vergleich zur fast schon euphorischen Stimmung vom Jahreswechsel 2017/18 deutlich verschlechtert. Der Aufwärtstrend schwächt sich ab. Eine Rezession wird bisher allerdings nicht erwartet. Dies belegt auch die diesjährige Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): Immerhin rechnen 28 der 48 befragten Verbände noch mit einer höheren Geschäftstätigkeit in 2019.

In zehn Branchen stehen die Zeichen allerdings auf Rückzug. Die Investitions- und Beschäftigungsperspektiven fallen ebenfalls noch positiv aus. Im Vergleich mit der letztjährigen Umfrage hat sich die Zuversicht jedoch deutlich eingetrübt. Verschlechtert hat sich die Lage vor allem in der exportorientierten Industrie, was nicht zuletzt auf die transatlantischen Handelsstreitigkeiten und den Brexit zurückzuführen ist


Dieser Artikel ist im chemie report 01+02/2019 erschienen.

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