Unternehmensbefragung zu den Themen „Digitalisierung“ und „zirkuläre Wirtschaft“

Chemie-Mittelstand spürt Anpassungsdruck

Die VCI/Deloitte-Studie „Chemie 4.0“ zeigt, wie Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft die chemisch-pharmazeutische Industrie in den nächsten Jahren verändern werden. Für die Studie wurde im Juni 2017 eine repräsentative Umfrage im Chemie-Mittelstand durchgeführt, an der sich 124 Unternehmen aus allen Sparten der Branche beteiligt haben. Die wichtigsten Ergebnisse:

Umschalten auf Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft: Die Mehrheit der Chemie-Mittelständler erwartet in Zukunft starke Veränderungen. - Foto: © fotohansel/stock.adobe.com
Umschalten auf Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft: Die Mehrheit der Chemie-Mittelständler erwartet in Zukunft starke Veränderungen. - Foto: © fotohansel/stock.adobe.com

Der Mittelstand ist eine tragende Säule der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland. Über 90 Prozent der Unternehmen in der Branche zählen zu diesem Bereich. Rund 165.000 Mitarbeiter arbeiten bei Chemie-Mittelständlern, die mit einem Jahresumsatz von rund 55 Milliarden Euro knapp 30 Prozent zum Branchenumsatz beitragen. Den Unternehmen geht es wirtschaftlich gut. Allerdings ist der Wettbewerbsdruck in den vergangenen Jahren gestiegen. Mehr als 82 Prozent der Unternehmen beurteilen die heutige Wettbewerbsintensität als „hoch“ oder „sehr hoch“. Das hat die Unternehmensbefragung für die Studie „Chemie 4.0: Wachstum durch Innovation in einer Welt im Umbruch“ ergeben. Als Konsequenz spüren die Betriebe einen großen Anpassungsdruck. Die Mehrheit erwartet in Zukunft starke Veränderungen durch die Digitalisierung und die zirkuläre Wirtschaft. In diesem Zusammenhang genannt werden umfangreiche Anpassungen bei den eigenen Produkten, der Einsatz neuer Prozesstechnologien, Veränderungen der Kundenbeziehungen und die Erweiterung der Geschäftsmodelle. Nur sieben Prozent der Unternehmen rechnen nicht mit Veränderungen für das eigene Geschäft.

Weiterentwickeln durch Investitionen

Drei Viertel der befragten Unternehmen sehen in den Entwicklungen Chancen für das eigene Geschäft. Um sie zu nutzen, investiert der Chemie-Mittelstand laut Umfrage rund 5 Prozent seines Umsatzes in Innovationen. Das sind pro Jahr rund 3 Milliarden Euro. Produkt- und Prozessinnovationen haben dabei eine große Bedeutung. Für 43 Prozent der Unternehmen sind aber auch neue Geschäfts- und Betriebsmodelle wichtig oder sehr wichtig. Drei Viertel der Befragten arbeiten bei ihren Innovationsprojekten eng mit Lieferanten, Kunden, Hochschulen oder Forschungsinstituten zusammen.

Zukunftsthema Digitalisierung

Nutzung von Instrumenten der Digitalisierung im Mittelstand - Klick auf's Bild vergrößert es! - Grafik:
Nutzung von Instrumenten der Digitalisierung im Mittelstand - Klick auf's Bild vergrößert es! - Grafik:
Die Umfrage hat gezeigt, dass das Thema „Digitalisierung“ im Mittelstand angekommen ist. Mehr als die Hälfte der Führungskräfte gab in der Befragung an, sich intensiv mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf das eigene Unternehmen zu befassen. 18 Prozent der Betriebe haben dabei schon heute eine Digitalisierungsstrategie. Weitere 32 Prozent planen eine solche. Big-Data-Analysen spielen momentan noch keine große Rolle, wenn es um die Anwendung von konkreten Instrumenten im eigenen Unternehmen geht. Fast zwei Drittel der Betriebe konzentrieren sich derzeit darauf, die interne Kommunikation mithilfe von Software zu verbessern (siehe Grafik). Allerdings sieht sich nur jeder vierte Chemie-Mittelständler für die anstehende digitale Transformation gut vorbereitet. 30 Prozent der Teilnehmer sehen für sich noch Handlungsbedarf. Es gibt also noch einiges zu tun.

Zukunftsthema Zirkuläre Wirtschaft

Zirkuläre Wirtschaft bedeutet für Mittelständler in erster Linie ressourceneffiziente und klimaschonende Produktion. „Recycling“ und das „Design der Produkte zur Ressourcenschonung über den gesamten Lebenszyklus“ hinweg spielen ebenfalls eine große Rolle. Viele Mittelständler sehen Potenziale dafür, dass der Ausbau zirkulärer Wirtschaftsmodelle durch die Digitalisierung beschleunigt werden kann. Diese Entwicklung steht aber erst am Anfang. Konkrete Projekte gibt es derzeit bei acht Prozent der Betriebe.

Der VCI möchte daher künftig sein Angebot für Mittelständler erweitern. Insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen soll dabei geholfen werden, die Chancen der Digitalisierung und der zirkulären Wirtschaft zu nutzen. Dabei wird es um Möglichkeiten gehen, betriebliche Prozesse zu optimieren und neue Geschäftsmodelle erfolgreich zu implementieren.

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Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dipl.-Pol. Oliver Claas

E-Mail: claas@vci.de