VCI-Mittelstandstag 2017

„Alles, was digitalisierbar ist, wird irgendwann digitalisiert“

Der Wandel der Chemiebranche durch Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft war Hauptthema beim VCI-Mittelstandstag 2017 Ende November in Mainz. Für die rund 80 Teilnehmer ging es um die Frage, was der Wandel für den Chemie-Mittelstand bedeutet. Im Zentrum stand die Studie „Chemie 4.0“, die vom VCI und Deloitte durchgeführt wurde. Sie analysiert die Veränderungsprozesse.

Blick ins Publikum: Rund 80 Teilnehmer kamen nach Mainz zum Mittelstandstag des Chemieverbandes. - Foto: © VCI/Landwehr
Blick ins Publikum: Rund 80 Teilnehmer kamen nach Mainz zum Mittelstandstag des Chemieverbandes. - Foto: © VCI/Landwehr

Die Geschwindigkeit der Digitalisierung ist vergleichbar mit dem Falten von Papier. Ein Blatt Papier ist 0,1 mm hoch. Es kann eigentlich nur sieben Mal gefaltet werden und so oft seine Höhe verdoppeln. Könnte man es aber 42 Mal falten, würde die Höhe des Blattes am Ende die Entfernung von der Erde bis zum Mond übertreffen. Diese beträgt 384.400 Kilometer.

Felix Thalmann, BÜFA Chemikalien
Felix Thalmann, BÜFA Chemikalien © VCI/Landwehr
Mit diesem Beispiel zeigte Felix Thalmann, BÜFA Chemikalien, auf dem VCI-Mittelstandstag, wie Veränderungen durch exponentielles Wachstum ungeahnte Ausmaße annehmen können. Auch die Digitalisierung sei eine schleichende Entwicklung, die irgendwann volle Fahrt aufnehme. Während sich andere Branchen wie die Fotoindustrie in den vergangenen zehn Jahren durch die Digitalisierung schon gewandelt hätten, spürten andere Branchen die Veränderung noch nicht. Sie werde aber kommen. „Alles, was digitalisierbar ist, wird irgendwann digitalisiert werden“, sagte Thalmann.




Christian Bürger, Chembid - Foto:
Christian Bürger, Chembid - Foto: © VCI/Landwehr
Die Firma BÜFA hat im Zuge der Digitalisierung mit „Chembid“ eine Suchmaschine für den Chemikalieneinkauf gegründet. Diese wurde von Geschäftsführer Christian Bürger vorgestellt.





Zukunftschancen durch Chemie 4.0

Für die chemisch-pharmazeutische Industrie insgesamt hat die nächste Entwicklungsstufe auch begonnen. Das hat die VCI/Deloitte-Studie „Chemie 4.0“ festgestellt, die in Mainz intensiv diskutiert wurde.

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann - Foto:
VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann - Foto: © VCI/Landwehr
„Ziel der Studie war es, zu schauen, wie wir die Herausforderungen der Zukunft als Chance nutzen können“, sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann zu Beginn der Veranstaltung, die der Chemieverband gemeinsam mit dem Landesverband Rheinland-Pfalz ausgerichtet hat. Besonders die Faktoren Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft gelten als Treiber für den Wandel in der Chemie.

Auch der Mittelstand hat die Relevanz erkannt. Das zeigt eine repräsentative Unternehmensbefragung in allen Sparten der Branche, die für die Studie „Chemie 4.0“ durchgeführt wurde. Demnach beschäftigen sich 53 Prozent der Unternehmen bereits intensiv mit Digitalisierung.

Die Implikationen der Studie Chemie 4.0 für den Mittelstand stellte Wolfgang Falter, Deloitte, vor. - Foto:
Die Implikationen der Studie Chemie 4.0 für den Mittelstand stellte Wolfgang Falter, Deloitte, vor. - Foto: © VCI/Landwehr

Henrik Follmann, Follmann Chemie, Vorsitzender des Ausschusses Selbständiger Unternehmer im VCI und Mitglied des VCI-Präsidiums - Foto:
Henrik Follmann, Follmann Chemie, Vorsitzender des Ausschusses Selbständiger Unternehmer im VCI und Mitglied des VCI-Präsidiums - Foto: © VCI/Landwehr
Deshalb gab sich VCI-Präsidiumsmitglied Henrik Follmann, Follmann Chemie, optimistisch: „Das Glas ist halb voll und nicht halb leer. Die Hälfte der Mittelständler hat das Thema angegangen. Die andere Hälfte muss noch überzeugt werden.“








In einer anschließenden Panel-Diskussion sprach er mit Felix Thalmann, Peter Westerheide, BASF, und Wolfgang Falter, Deloitte, über die Möglichkeiten für den Mittelstand bei der anstehenden Veränderung.

von links: Felix Thalmann, BÜFA; Henrik Follmann, Follmann Chemie; Wolfgang Falter, Deloitte, und Peter Westerheide, BASF - Foto: © VCI/Landwehr

Bedeutung und Wandel der Branche

Volker Wissing, Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz - Foto:
Volker Wissing, Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz - Foto: © VCI/Landwehr
Politischer Gast des Tages war der Stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister von Rheinland-Pfalz, Volker Wissing (FDP). Er betonte die Bedeutung der Branche für den Industriestandort Deutschland: „Wir alle wissen: Ohne Chemie geht es nicht.“ Es sei entscheidend, eine technologieoffene Innovationspolitik zu betreiben. Dann hob auch er hervor, dass sich die Branche in einer Entwicklungsphase befinde.







Reiner Klingholz, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung - Foto:
Reiner Klingholz, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung - Foto: © VCI/Landwehr
Bei der Rekrutierung von Arbeitskräften macht sich der Wandel schon heute bemerkbar. Besonders kleine und mittlere Unternehmen seien von Fachkräftemangel betroffen, sagte Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in seinem Vortrag zur „Fachkräftesicherung im Mittelstand“. Er riet den Unternehmen: „Sie müssen mehr Werbung für die Jobs im Mittelstand machen. Die Leute müssen sehen, welche Möglichkeiten sie bei Ihnen haben.“

Peter Jansen, P. A. Jansen - Foto:
Peter Jansen, P. A. Jansen - Foto: © VCI/Landwehr
Wie das gehen kann, schilderten anschließend Peter Jansen, P. A. Jansen, und Marcus Mensing, Zschimmer & Schwarz, anschaulich in ihren Praxisberichten.












Marcus Mensing, Zschimmer & Schwarz - Foto:
Marcus Mensing, Zschimmer & Schwarz - Foto: © VCI/Landwehr
Das Fazit von Mensing: „Ich muss als Unternehmen attraktiv sein, ich muss was bieten, und ich muss anders sein als die anderen.“













Austausch im Netzwerk

Digitalisierung mit Einsparpotenzialen verbinden - eine Möglichkeit dazu bieten die Einkaufskooperationen des VCI, die sich auf dem Mittelstandstag vorstellten (Mitte: Sabine Knirsch, VCI). - Foto: © VCI/Landwehr


Dieser Artikel wird in modifizierter Form im chemie report 12/2017 erscheinen.
Autoren: Oliver Claas und Anna Kühr.

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E-Mail: stuhl@vci.de