chemie-report-Serie „Chemie 4.0 im Detail“ - Teil 1

Zirkuläre Wirtschaft: Stoffkreisläufe schließen und Ressourcenverbrauch minimieren

Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft werden als Teil der nachhaltigen Entwicklung der chemischen Industrie die Zukunft der Branche in den nächsten Jahrzehnten wesentlich prägen. Zu diesem Ergebnis kommt die VCI-Deloitte-Studie „Chemie 4.0“, die die künftige Entwicklung beschreibt. Der chemie report, das Mitgliedermagazin des VCI, ergänzt die Studie seit Ausgabe 03/2018 mit Details aus beiden Themengebieten. Teil 1 beschreibt, was es mit zirkulärer Wirtschaft auf sich hat.

Zirkuläre Wirtschaft bietet den Chemieunternehmen vielfältige Wachstumschancen. Dafür müssen sie eng mit Kunden und Anwendern ihrer Produkte zusammenarbeiten. - © Piktogramme: stock.adobe.com; Thinkstock
Zirkuläre Wirtschaft bietet den Chemieunternehmen vielfältige Wachstumschancen. Dafür müssen sie eng mit Kunden und Anwendern ihrer Produkte zusammenarbeiten. - © Piktogramme: stock.adobe.com; Thinkstock

Seit einiger Zeit beschäftigt sich die Politik in Brüssel und Berlin mit zirkulärem Wirtschaften – allerdings aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Die Strategie der EU-Kommission zur „Circular Economy“ geht über den deutschen Ansatz einer „Kreislaufwirtschaft“ hinaus, der aus der Abfallgesetzgebung abgeleitet und entsprechend inhaltlich ausgerichtet ist. Aber auch das legislative Paket der Kommission legt den Schwerpunkt auf möglichst viel Recycling für den propagierten Übergang von der „linearen“ Wirtschaft hin zu einem Kreislaufsystem.

Beide Ansätze greifen aus Sicht des VCI zu kurz. Einbezogen werden sollten alle Beiträge zur Schonung von endlichen Ressourcen. Zirkuläre Wirtschaft umfasst nach dem Konzept des VCI, das in der Studie „Chemie 4.0“ zugrunde gelegt wird, daher drei Segmente:

  • Schließung von Kreisläufen durch Wiederverwendung, Recycling, effiziente Verwertung von Reststoffen oder Rückgewinnung von Energie,
  • Steigerung der Ressourceneffizienz über den gesamten Produktlebenszyklus (vom Rohstoff über die Produktion und Nutzenphase bis zur Entsorgung),
  • Umstellung der Wirtschaft von endlichen auf erneuerbare Ressourcen.

Vielfältige Optionen und Lösungen

Zirkuläres Wirtschaften wird sukzessive Einfluss auf Produktportfolios, Wertschöpfungsstrukturen und Geschäftsmodelle der chemischen Industrie nehmen, prognostiziert die Studie „Chemie 4.0“. Im neu eingerichteten VCI-Arbeitskreis „Zirkuläre Wirtschaft“ wird daher intensiv diskutiert, wie sich das Industrienetzwerk durch die zirkulare Transformation künftig verändern wird. Schon heute entwickeln Chemieunternehmen mit Hochdruck innovative Lösungen: Dazu zählen innovative Chemikalien für die Kreislaufwirtschaft, wie zum Beispiel Additive, die das Recycling von Beton ermöglichen, Hochleistungswerkstoffe für die Reduzierung des Ressourcenverbrauchs bei den Kunden, neue Geschäftsmodelle, wie Rücknahmesysteme für Chemikalien, verstärkter Einsatz nachwachsender Rohstoffe und Gewinnung von Basischemikalien in Bioraffinerien, Nutzung von Abfall als Rohstoff („Waste to Chemicals“) und von erneuerbarem Strom zur Herstellung von Chemikalien („Power to X“) sowie Verwendung von CO2 als Rohstoff.

Die Digitalisierung hilft dabei, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. So ermöglicht die Analyse detaillierter digitaler Nutzungsmuster ein besseres, datengestütztes Produktdesign, mit dem sich Leistung oder Lebensdauer der Produkte erhöhen lassen. Transparenz über den Standort von Materialien vereinfacht die Sammellogistik, umfassende Materialinformationen in digitaler Form erleichtern das Recycling von Wertstoffen. Die Analyse von Kundendaten erlaubt zudem die Identifikation des Potenzials für Rücknahme-Geschäftsmodelle, eine Analyse der Produktionsdaten des Kunden ermöglicht den rechtzeitigen Austausch von Komponenten. Digitale Prozessinformationen erleichtern es außerdem, Verfahren zu optimieren oder die Auslastung von Anlagen mit minimalem Ressourceneinsatz zu planen.


Dieser Artikel ist im chemie report 03/2018 erschienen.

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Ansprechpartner

Dr. Henrik Meincke

E-Mail: meincke@vci.de