Kunststoffe

Potenziale nutzen statt stigmatisieren

Die EU-Kommission will mit ihrer 2018 vorgestellten Kunststoffstrategie Abfälle weiter reduzieren, Recycling stärken und die Einträge in die Meere vermindern. Die Bedeutung von Kunststoffen wird zwar unterstrichen, allerdings bestimmen Pauschalisierungen und Kritik an der derzeitigen Verwertung der Abfälle das Bild. Dabei gibt es gute Gründe, die Potenziale dieses innovativen Werkstoffs auch künftig auszuschöpfen.

Kunststoffe neu in den Blick nehmen: Es gibt gute Gründe, die Potenziale des innovativen Werkstoffs Kunststoff auch künftig auszuschöpfen statt pauschale Kritik zu üben. - Foto: © Sergey Ryzhov - stock.adobe.com
Kunststoffe neu in den Blick nehmen: Es gibt gute Gründe, die Potenziale des innovativen Werkstoffs Kunststoff auch künftig auszuschöpfen statt pauschale Kritik zu üben. - Foto: © Sergey Ryzhov - stock.adobe.com

Kunststoffe sind vielfältig einsetzbar. Sie erfüllen wichtige und aus dem modernen Leben nicht mehr wegzudenkende Funktionen. Zudem sind sie in der Herstellung und Anwendung sowie in der Verwertung besonders leistungsfähig und effizient. Dass unsachgemäße Entsorgung von Abfällen zur Meeresverschmutzung beiträgt, ist unbestritten und muss gestoppt werden.

Damit der Nutzen von Kunststoffen für eine möglichst nachhaltige Lebensweise dennoch voll ausgeschöpft werden kann, braucht es umfassende und vor allem internationale Lösungsansätze unter Einbindung aller Akteure – von den Erzeugern und Verarbeitern über Handel und Verbraucher bis hin zu den Verwertern:

Standards durchsetzen

In der EU gelten bereits ehrgeizige Vorgaben zur Abfallverwertung. Diese müssten in allen Mitgliedstaaten durchgesetzt und eingehalten werden.

Deponieverbot vorantreiben

Viele Länder deponieren noch immer unvorbehandelte Siedlungs- und Kunststoffabfälle. Das ist Ressourcenverschwendung und verschärft – sofern die Deponien nicht angemessen gesichert sind – die Müllproblematik. Das in Deutschland seit 2005 geltende Deponierungsverbot für solche Abfälle sollte europaweit umgesetzt werden.

Recycling-Quoten abwägen

Die EU-Kommission setzt auf das klassische werkstoffliche Recycling. Das birgt mitunter schwerwiegende Zielkonflikte. So kann eine komplexe Kunststoffverpackung, die Lebensmittel vor dem Verderb schützt, dank einzigartiger Eigenschaften eine positivere Ökobilanz erzielen als eine einfacher zu recycelnde Alternative. Zielführend ist nur ein Mix aller Verwertungsmöglichkeiten, der werkstoffliche, rohstoffliche und energetische Optionen umfasst.

Weltweit aufklären

Vermüllung ist dort einzudämmen, wo sie entsteht. Das bedeutet vorrangig, globale Lösungen für ein effizientes Abfallbehandlungssystem zu schaffen. Es gilt, alle Menschen konsequent für einen achtsamen Umgang mit ihren Abfällen zu sensibilisieren.

Diskriminierung vermeiden

Verbote oder Extra-Besteuerung bestimmter Werkstoffe tragen nicht zur Lösung des Problems bei – das im unsachgemäßen Umgang mit Abfällen liegt.

Lebenszyklus betrachten

Wie ökologisch Kunststoffe sind, lässt sich nur in der Betrachtung entlang des kompletten Lebenszyklus bewerten. Eine verkürzte Sicht, die nur Teilaspekte betrachtet, kann zu falschen Weichenstellungen führen.


Industrie geht voran

Mitte Januar haben sich rund 30 Unternehmen zu einer internationalen Allianz zusammengeschlossen. Das gemeinsame Ziel: den Kunststoffeintrag in die Umwelt zu verhindern. Dafür wird die Allianz bis 2025 rund 1,5 Milliarden US-Dollar investieren und Lösungen entwickeln: www.endplasticwaste.org


INFOGRAFIK: Effizienter geht es kaum

Vergleich von Kunststoffen mit alternativen Materialien bezüglich Masse, Energieverbrauch (während der gesamten Lebensdauer) und CO2-Emissionen; Quelle: Denkstatt-Studie im Auftrag von PlasticsEurope, 2011

Ein Beispiel, das zeigt, welches Potenzial in Kunststoffen steckt: Würden Packmittel wie zum Beispiel Folien oder Plastikbecher für Joghurts oder Convenience-Produkte durch alternative Materialien ersetzt, stiegen Energieverbrauch und Treibhausgase um mehr als das Doppelte an. - Klick auf die Grafik vergrößert sei!
Ein Beispiel, das zeigt, welches Potenzial in Kunststoffen steckt: Würden Packmittel wie zum Beispiel Folien oder Plastikbecher für Joghurts oder Convenience-Produkte durch alternative Materialien ersetzt, stiegen Energieverbrauch und Treibhausgase um mehr als das Doppelte an. - Klick auf die Grafik vergrößert sei!


Dieser Beitrag ist Teil des VCI-Politikbriefs „Ja zu Europa"


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Jenni Glaser

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