VCI-Workshopreihe „Zirkuläre Wirtschaft“ fortgesetzt

Kunststoffbranche im Wandel

Die Umstellung der Kunststoffindustrie auf eine zirkuläre Wirtschaftsweise wird erhebliche Auswirkungen auf die Branche haben. Das ist das Ergebnis eines VCI-Workshops zur zirkulären Wirtschaft Anfang August in Frankfurt. Hier haben sich Experten aus Mitgliedsunternehmen, Kundenindustrien, Abfall- und Recyclingwirtschaft, Start-ups, Forscher und Consultants über zukünftige Herausforderungen der Kunststoffindustrie ausgetauscht.

Mechanisches Recycling ist einer von mehreren Wegen, um Kunststoffe wiederzuverwerten. - Foto: © warloka79/stock.adobe.com
Mechanisches Recycling ist einer von mehreren Wegen, um Kunststoffe wiederzuverwerten. - Foto: © warloka79/stock.adobe.com

Die Experten waren sich einig, dass die Nachfrage nach frisch produzierten „Virgin-Kunststoffen“ mittelfristig zurückgehen wird. Das rückläufige Mengengeschäft erfordert die Überprüfung der Geschäftsmodelle bei den Unternehmen. Gleichzeitig steigt der Druck, fossile Rohstoffe durch nachwachsende oder sekundäre Rohstoffe zu ersetzen. Politik und Konsumenten drängen außerdem darauf, dass Stoffkreisläufe für Kunststoffe insbesondere im Verpackungsbereich geschlossen werden. So berichten Kunststoffhersteller von einer vermehrten Nachfrage ihrer Kunden nach Produkten, die zumindest teilweise aus Rezyklaten oder aus biobasierten Kunststoffen bestehen. Dazu zählen insbesondere Markenartikelhersteller und Einzelhändler. Unternehmen wie IKEA und die Schwarz-Gruppe, aber auch Kunststoffproduzenten wie LyondellBasell oder Borealis, beteiligen sich an Abfallentsorgern, -sortierern oder -recyclern. Chemienahe Start-ups drängen zusätzlich auf den Markt.

Vielfältige Möglichkeiten

Die Experten diskutierten eine Reihe von Optionen, wie der Stoffkreislauf bei Kunststoffen geschlossen werden kann. Viele Bürger, NGOs und Teile der Politik präferieren demnach das mechanische Recycling. Allerdings ist der Einsatz von Kunststoffrezyklaten aus dem mechanischen Recycling noch gering. Die Experten erwarten hier einen Anstieg in den kommenden Jahren. Damit wird bei den Kunststofferzeugern der Druck auf das Mengengeschäft steigen. Neue Geschäftsmodelle für die Chemie bietet vielleicht die rohstoffliche Verwertung. Sie ist eine Option, um auch Kunststoffe im Kreis zu führen, die nicht in großen Mengen im Abfallstrom anfallen.

Damit Chemieunternehmen aber Abfall tatsächlich als Rohstoff einsetzen können, muss Versorgungssicherheit gewährleistet sein. Bislang ist das im Abfallmarkt nicht gegeben. Sekundärrohstoffe lassen sich auch aus CO2 gewinnen. Hierzu werden aber große Mengen erneuerbaren Stroms benötigt. Gleichzeitig ist die Dynamik der Kunststoffnachfrage in Europa niedrig und der Wettbewerbsdruck wegen hoher Energie- und Rohstoffkosten hoch. Die bevorstehenden Veränderungen werden nicht auf die Kunststoffindustrie beschränkt bleiben, sondern auch die übrige Chemiebranche verändern, etwa Additivhersteller und die Petrochemie.

Infografik

Neue Wege: Rohstoffliche Verwertung ist eine von vier Optionen, um Kunststoffe im Kreislauf zu führen. Sie ist besonders für solche Stoffe geeignet, die nicht in großen Mengen im Abfallstrom anfallen. Hier könnten neue Geschäftsfelder für die Chemiebranche entstehen.

Kunststoffe im Kreislauf führen: Möglichkeiten im Überblick - Klick auf die Infografik vergrößert sie! - Grafik:
Kunststoffe im Kreislauf führen: Möglichkeiten im Überblick - Klick auf die Infografik vergrößert sie! - Grafik: © VCI



Dieser Artikel ist im chemie report 09/2018 erschienen.


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Carolina Hupfer

E-Mail: carolina.hupfer@vci.de