Sitzung des VCI-Hauptausschusses

Gemeinsam gegen Kunststoffabfälle vorgehen

Kunststoffe im Brennpunkt: Was kommt auf die Branche zu? Der VCI-Hauptausschuss hat sich in Ludwigshafen mit einem wichtigen und vielschichtigen Thema beschäftigt. Bei der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Industrie das Problem der Kunststoffeinträge in die Umwelt nicht allein lösen kann. Auch die Politik und die Verbraucher müssen handeln.

Podiumsdiskussion über Kunststoffe mit Anke Schmidt (VCI-Ausschuss Kommunikation), Michael Zobel (PlasticsEurope Deutschland), Ulrike Höfken (Umweltministerin von Rheinland-Pfalz) und TV-Journalistin Valerie Haller (v.l.). - Foto: © VCI/Darchinger
Podiumsdiskussion über Kunststoffe mit Anke Schmidt (VCI-Ausschuss Kommunikation), Michael Zobel (PlasticsEurope Deutschland), Ulrike Höfken (Umweltministerin von Rheinland-Pfalz) und TV-Journalistin Valerie Haller (v.l.). - Foto: © VCI/Darchinger

Derzeit vergeht keine Woche, in der nicht ein Bericht im Internet oder in einer Zeitung erscheint und sich kritisch mit Kunststoffen auseinandersetzt. Allein in der Mediendatenbank des ZDF sind für die 100 Tage vor der diesjährigen Sitzung des Hauptausschusses 219 Berichte zu finden. Mit dieser Zahl verdeutlichte Fernsehjournalistin und Moderatorin Valerie Haller das Ausmaß der öffentlichen Berichterstattung. Aber auch Fernsehsendungen wie „Maischberger“ diskutieren den „Plastikfluch: billig, praktisch, gefährlich?“. Außerdem ist die Politik aktiv geworden. Die EU-Kommission verabschiedete Anfang 2018 eine Kunststoffstrategie, durch die bis 2030 alle Kunststoffverpackungen in der EU wiederverwendbar, der Verbrauch von Einwegkunststoffen reduziert und die Verwendung von Mikroplastik untersagt werden sollen.

Meinung der Verbraucher

Haben Kunststoffe in der Bevölkerung wegen der anhaltenden Kritik ein Imageproblem? „Nicht in allen Bereichen – das Gesamtimage ist momentan noch robust“, betonte Michael Zobel (LANXESS) als Vorsitzender von PlasticsEurope Deutschland in seinem Vortrag. Wie Umfragen zeigten, sehen drei von vier Deutschen Kunststoffe positiv. 70 Prozent oder mehr halten sie in der Medizin, in der Kommunikation, in Fahrzeugen oder beim Bauen und Renovieren für unverzichtbar. Für den Bereich Küche und Haushalt liegt die Zustimmung bei 61 Prozent. Noch etwas niedriger fällt der Wert beim Thema Verpackung aus. Hier geben nur 57 Prozent der Bürger an, dass Kunststoffe unverzichtbar seien. Ablehner geben zu niedrige Recyclingquoten und Kunststoffabfälle in der Umwelt als Begründung an.

Dieses Problem möchte PlasticsEurope vor allem mit einem europaweiten Deponierungsverbot lösen. Zobel sagte: „Es darf einfach nicht sein, dass Kunststoffe in der Landschaft verschwinden.“ Deutschland mache erfolgreich vor, wie Kreislaufwirtschaft funktioniert. „PlasticsEurope fordert seit Jahren ein Deponierungsverbot für Kunststoffe. Leider ist das in Europa nicht flächendeckend umgesetzt“, klagte Zobel.

Er stellte außerdem verschiedene Initiativen vor, mit denen sich die Branche gegen Müll in den Meeren engagiert. Eine davon ist eine freiwillige Selbstverpflichtung, die die europäischen Kunststofferzeuger Anfang 2018 abgegeben haben. Demnach soll zum Beispiel die Wiederwendungs- und Recyclingquote von Verpackungen bis 2030 auf 60 Prozent steigen. Zobel verdeutlichte aber auch den Nutzen von Kunststoffverpackungen: „In Entwicklungsländern verderben bei Gemüse rund 50 Prozent auf dem Weg zum Kunden. In Deutschland sind es nur zwei Prozent.“

Darauf antwortete die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) in ihrem Vortrag. Natürlich sei der Nutzen von Verpackungen nicht wegzudiskutieren. Um die Umweltverschmutzung mit Kunststoffen anzugehen, werde aber ein wirksames Konzept zur Abfallvermeidung benötigt. Sie fragte: „Ist die Nutzung von Einwegkaffeebechern ein Fortschritt? Meiner Meinung nach nicht.“

Neben weniger Abfall brauche Europa eine funktionierende Kreislaufwirtschaft, einen Markt für Sekundärrohstoffe und ein System, mit dem Kunststoffe sortenrein gesammelt und verwertet werden können. Höfken: „Wir müssen schauen, welche Maßnahmen zielführend sind und wo wir am schnellsten weit kommen.“ Ein Verbot von Strohhalmen könne helfen, Verbraucher zu sensibilisieren. „Aber natürlich weiß jeder, dass ein solches Verbot nicht allein die Lösung des Problems ist“, so die Ministerin.

Von Responsible Care lernen

BASF-Kommunikationschefin Anke Schmidt warnte: „Das Vertrauen in den Nutzen von Kunststoffen ist in Gefahr, obwohl der Werkstoff vielfältige Innovationen ermöglicht.“ Die Chemiebranche müsse ihre Verantwortung wahrnehmen und im Dialog mit den Menschen nach Lösungen suchen.

Als Vorsitzende des VCI-Ausschusses Kommunikation stellte Schmidt die Imagewerte der Chemiebranche als Ganzes im Hauptausschuss vor. Diese liegen auf einem historisch hohen Niveau. Der Anteil der Deutschen, die die chemische Industrie als „überwiegend positiv“ wahrnehmen, ist in den vergangenen Jahren von 39 Prozent auf fast 73 Prozent angestiegen. Ähnliche Entwicklungen verzeichnet die Branche bei der Akzeptanz und beim Image. „Ein entscheidender Grund hierfür ist: Die Branche hat gehandelt, Erfolge bei Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsthemen erzielt und die Ergebnisse forciert kommuniziert“, so Schmidt. Insofern könne die Chemie aus der Responsible-Care-Initiative für die Zukunft lernen.

In Bezug auf Kunststoffe sagte Schmidt: „Die guten Umfrageergebnisse dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass mit der ‚Marine-Litter-Thematik‘ ein großes, reales Problem vorliegt. Da müssen Lösungen gesucht werden. Und wir müssen über die Aktivitäten reden.“

Wie solches Handeln aussehen kann, wurde nach den Vorträgen in einer Podiumsdiskussion deutlich. Hier wies Umweltministerin Höfken darauf hin, dass andere Branchen wie der Handel auch dazu beitragen können, die Menge von Kunststoffverpackungen zu senken und diese besser zu verwerten. Zobel nannte die Operation „Clean Sweep" als Beispiel dafür, dass die Kunststoffindustrie handelt. Hier sorgen Unternehmen aus den USA und Europa dafür, dass bei der Produktion von Kunststoffen keine Abfälle in die Umwelt gelangen.

Schlaglichter der Diskussion

Ulrike Höken - Foto:
Ulrike Höken - Foto: © VCI/Darchinger
Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen), Umweltministerin von Rheinland-Pfalz

„Thermische Verwertung ist besser, als etwas in die Landschaft zu werfen. Aber Kunststoff ist zu schade zum Verbrennen. Daher müssen die Recyclingquoten gesteigert werden.“








Anke Schmidt - Foto:
Anke Schmidt - Foto: © VCI/Darchinger
Anke Schmidt (BASF SE), Vorsitzende des VCI-Ausschusses Kommunikation

„Das Vertrauen in den Nutzen von Kunststoffen ist in Gefahr. Unsere Branche muss ihre Verantwortung wahrnehmen und im Dialog mit Politik und Gesellschaft nach Lösungen suchen.“







Michael Zobel - Foto:
Michael Zobel - Foto: © VCI/Darchinger
Dr. Michael Zobel (LANXESS AG), Vorsitzender von PlasticsEurope Deutschland e. V.

„Wir zeigen in Deutschland, wie Kreislaufwirtschaft funktioniert. Das kann ein echter Exportschlager werden. Besonders wichtig ist dabei, dass in ganz Europa ein Deponierungsverbot für Kunststoffe eingeführt wird.“







Dieser Artikel ist im chemie report 10/2018 erschienen.

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