VCI-Workshopreihe „zirkuläre Wirtschaft“ fortgesetzt

Bioökonomie als Eckpfeiler der nachhaltigen Chemie

Im Rahmen der VCI-Workshopreihe „zirkuläre Wirtschaft“ haben sich Experten aus Mitgliedsunternehmen, Akademia und VCI Anfang Mai zu einer Bestandsaufnahme getroffen. Sie diskutierten über die Potenziale der Bioökonomie in einer zirkulären Wirtschaft. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Bioökonomie ein wichtiger Eckpfeiler für eine nachhaltige Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten sein wird.

Die chemische Industrie arbeitet aktiv an der Verbreiterung ihrer Rohstoffbasis. - Foto: © artaxx - Fotolia.com
Die chemische Industrie arbeitet aktiv an der Verbreiterung ihrer Rohstoffbasis. - Foto: © artaxx - Fotolia.com

Fossile Energie ist in den kommenden Jahrzehnten ausreichend vorhanden. Doch wenn die Erderwärmung auf 2 Grad begrenzt werden soll, dürfen bis 2050 nur weitere 1.000 Gigatonnen CO2-Äquivalente an Kohle, Öl und Erdgas in die Atmosphäre gelangen. Die Chemieindustrie sucht vor diesem Hintergrund nach Alternativen zu ihrer überwiegend fossilen Rohstoffbasis. Eine Möglichkeit bietet die sogenannte Bioökonomie. Unter diesem Begriff lassen sich die rohstoffliche Verwendung von Biomasse und biotechnologische Produktionsverfahren subsumieren.

Potenziale einer „Bio-Chemie“

Aktuell setzt die Chemieindustrie 2,7 Millionen Tonnen nachwachsende Rohstoffe ein – Tendenz steigend. Sie kommen überwiegend in der Konsum- und Spezialchemie zum Einsatz.

Aus der Natur: Derzeit setzt die deutsche chemische Industrie rund 2,7 Millionen Tonnen nachwachsende Rohstoffe pro Jahr in ihrer Produktion ein. Das sind rund 13 Prozent aller organischen Rohstoffe. Quellen: VCI, FNR - Klick auf die Grafik vergrößert sie! - Grafik:
Aus der Natur: Derzeit setzt die deutsche chemische Industrie rund 2,7 Millionen Tonnen nachwachsende Rohstoffe pro Jahr in ihrer Produktion ein. Das sind rund 13 Prozent aller organischen Rohstoffe. Quellen: VCI, FNR - Klick auf die Grafik vergrößert sie! - Grafik: © VCI

Mit steigendem Entwicklungsstand der Bioraffinerien nimmt zukünftig auch die Verwendung in der Basischemie zu. Es gibt jedoch auch Hürden. Unter anderem ist die Menge an nachhaltig produzierbarer Biomasse begrenzt. Auch marktseitig gibt es Hemmnisse: Nachwachsende Rohstoffe sind vergleichsweise teuer. Und für neue Produktionsverfahren sind hohe Investitionen erforderlich. Nicht immer lassen sich die damit verbundenen Mehrkosten an die Kunden weitergeben. Dies gilt insbesondere dann, wenn identische Produkte hergestellt werden. In diesem Fall erlaubt der internationale Wettbewerb kaum Preisaufschläge. Eine weitere Option ist die Nutzung von Biomasse aus Abfällen und Klärschlämmen. Während die Bioabfälle heute noch überwiegend energetisch genutzt werden, ist zukünftig auch eine rohstoffliche Verwendung in der Chemie denkbar.

Erhebliches Wachstumspotenzial verspricht die zweite Säule der Bioökonomie. Biotechnologische Verfahren werden in der Chemie- und Pharmaindustrie umfangreich angewendet. Durch neue Verfahren wie etwa Gene Editing wird die Bedeutung der Biotechnologie weiter zunehmen. Die größten Potenziale liegen in den Bereichen Pharma, Pflanzenschutz und Spezialchemie.

Trotz der wachsenden Bedeutung der Bioökonomie wird die Chemieindustrie aber auch in Zukunft auf andere Rohstoffquellen angewiesen sein. Ein vielversprechender Ansatz ist die Verwendung kohlenstoffhaltiger Abgase. Mit dieser Thematik wird sich die Workshopreihe „zirkuläre Wirtschaft“ im September beschäftigen.


Dieser Artikel ist im chemie report 05/2018 erschienen.