chemie-report-Serie „Chemie 4.0 im Detail“ - Teil 11

Was Digitalisierung konkret bringt

Chemie- und Pharmaunternehmen in Deutschland sind sich der Herausforderung durch die Digitalisierung bewusst. Bereits heute beschäftigen sie sich intensiv mit digitalen Technologien. Häufig ist aber noch unklar, wie damit Wettbewerbsvorteile generiert werden können. Beim Chemie- und Pharma-Roundtable von VCI und KPMG Anfang Dezember 2018 konnten die 60 Teilnehmer der Antwort ein Stück näherkommen.

Beim Chemie- und Pharma-Roundtable diskutierten 60 Teilnehmer auf Einladung von KPMG und VCI Digitalisierungsbeispiele aus der Branche.
Beim Chemie- und Pharma-Roundtable diskutierten 60 Teilnehmer auf Einladung von KPMG und VCI Digitalisierungsbeispiele aus der Branche.

Welche Vorteile kann eine Augmented-Reality-Brille (Hololens) für einen mittelständischen Farben- und Lackhersteller bieten? Christoph Heinen, Bergolin, gab zusammen mit Andreas Erben, daenet, einen Überblick über die Einsatzmöglichkeiten. So können beispielsweise Arbeiter mit einer solchen Brille durch einen Prozess mit verschiedenen Arbeitsschritten gelenkt werden. Auch Informationen über einen exakten Fertigungsstatus können in Echtzeit über die Brille erfasst und dokumentiert werden. So werden Stillstände in der Produktion reduziert. Noch ist die Hololens aber nicht rundherum alltagstauglich. Momentan stehen das vergleichsweise hohe Gewicht, die Batterielaufzeit und eine noch fehlende Ex-Zertifizierung einer großen Verbreitung in der Chemie im Wege. Damit es aber nicht nur bei der Theorie bleibt, bestand die Möglichkeit, in den Pausen eine Hololens zu testen.

Dauerbrenner Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz (KI) ist älter als man denkt. Ihre Ursprünge hatte sie bereits in den 1950er-Jahren, als Alan Turing einen Test ersann, mit dem man feststellen kann, ob ein Computer ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Auf dem Roundtable erklärte Mathias Bauer, KPMG, an praktischen Beispielen, wozu KI heutzutage fähig ist. Sei es die Analyse unstrukturierter Daten, die semantische Erschließung von Texten, die Bildanalyse zur Qualitätskontrolle oder die Erkennung von Materialeigenschaften: Die Einsatzmöglichkeiten von KI sind vielfältig.

Dr. Martin Strohrmann, BASF, zeigte im Anschluss, wie Machine-Learning-Technologie die Produktivität in der Forschung und Entwicklung deutlich steigern kann. So integrieren kognitive Systeme vorhandenes internes und externes Wissen und verschaffen eine schnelle und zuverlässige Übersicht. Modellierung und Simulationen reduzieren die Anzahl von Experimenten und machen sie zielgerichteter. Mit Machine Learning könne man auch vorhersagen, wie sich die Leistung eines Katalysators entwickelt.

Ohne gute Daten geht es aber nicht. Ingo Brüning, LANXESS, berichtete, wie im Zuge des Digitalisierungsprojektes dLX unter anderem die rund 240.000 Stammdatensätze des Unternehmens überprüft und validiert wurden. Es habe sich dabei um eine Herkulesaufgabe gehandelt, die sich aber nach und nach auszahlt, da die Produktivität steigt. Eine gute Stammdatenqualität sei eine der Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Digitalisierung, so Brüning.

Mobilfunk: Lokale 5G-Frequenzen schnell voranbringen

Die Industrieverbände VCI, VDA, VDMA und ZVEI haben Ende Januar begrüßt, dass nun vier anstatt der ursprünglich erwarteten drei Mobilfunkunternehmen an der bundesweiten Auktion für Frequenzen des neuen Mobilfunkstandards 5G teilnehmen werden. Das erhöhe den Wettbewerb und die Dynamik im Gesamtprozess, dürfe aber die Vergabe der lokalen Frequenzen nicht beeinträchtigen. Nur durch eine rasche Zuteilung dieser lokalen Frequenzen im zugesicherten Umfang könne Deutschland zum Leitanbieter industrieller 5G-Anwendungen werden. Lokale Frequenzen sind die Grundlage für private 5G-Netze auf den Werksgeländen und für räumlich begrenzte industrielle Anwendungen. Sie geben Industrieunternehmen den notwendigen Spielraum, unabhängig von Netzbetreibern 5G sicher, schnell und leistungsfähig für die Produktion auszubauen.

Dieser Artikel ist im chemie report 1+2/2019 erschienen.

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Ansprechpartner

Dipl.-Volksw. Christian Bünger

E-Mail: christian.buenger@vci.de