chemie-report-Serie „Chemie 4.0 im Detail“ – Teil 17

Digitalisierung ermöglicht zirkuläre Wirtschaft

Wie kann die Digitalisierung den Unternehmen auf ihrem Weg in eine zirkuläre Wirtschaft helfen? Über diese Frage haben sich Experten aus Wirtschaft und Akademia Anfang Juli beim 6. VCI-Workshop „Zirkuläre Wirtschaft“ ausgetauscht. Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitsexperten beleuchteten dabei das Thema aus den jeweiligen Perspektiven.

Mit digitalen Lösungen können zum Beispiel Stoffströme überwacht und Prozesse im Werk vor der Anwendung simuliert werden. - Bild: © metamorworks - stock.adobe.com
Mit digitalen Lösungen können zum Beispiel Stoffströme überwacht und Prozesse im Werk vor der Anwendung simuliert werden. - Bild: © metamorworks - stock.adobe.com

Die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie stellen sich derzeit strategisch neu auf. Denn das Wachstumspotenzial in ihrem klassischen Geschäftsmodell ist angesichts der starken Veränderungen im weltwirtschaftlichen Gefüge langfristig begrenzt. Doch es bieten sich auch Chancen: Die Anforderungen der Kunden an die Branche verändern sich rasant. Diese erwarten von der Chemie konkrete Lösungen für die zirkuläre Transformation. Gleichzeitig wird durch den gesellschaftlichen Wandel auch das regulatorische Umfeld immer anspruchsvoller. Wer sich am besten auf die Veränderungen einstellt und innovative Lösungen anbietet, dem eröffnen sich gute Wachstumsperspektiven. Es geht um die Marktführerschaft in einer globalen „Circular Economy“, in der in Zukunft Billionen zu verdienen sind.

Die Komplexität einer zirkulären Wirtschaft ist aber ohne die Digitalisierung nicht beherrschbar. Die Vorträge von Deloitte, dem Wuppertal Institut sowie der i-point-Systems GmbH zeigten vielfältige Möglichkeiten auf, wie mithilfe digitaler Technologien spezifische Kundenwünsche befriedigt, die regulatorischen Anforderungen erfüllt, die Kooperation mit anderen Unternehmen verbessert oder neue Geschäftsmodelle etabliert werden können.

Fallbeispiele aus den Unternehmen

Nach dieser systematischen Einführung in das Thema ging es am Nachmittag um konkrete Fallbeispiele. Die OntoChem IT Solutions GmbH berichtete von einem aktuellen Forschungsprojekt, bei dem es um die Digitalisierung von Stoffströmen und die Vernetzung der Unternehmen geht. Nebenprodukte eines Chemieunternehmens können mithilfe der Digitalisierung zu einem Rohstoff eines anderen Unternehmens werden. Einen weiteren Aspekt beleuchtete das Fraunhoferinstitut IWKS. Es stellte ein Tool zur Prozesssimulation und zur universellen Bewertung von Materialkreisläufen vor. Ziel ist es, Kreisläufe möglichst effizient zu schließen.

Covestro berichtete, welche Möglichkeiten der 3-D-Druck zur Materialeinsparung und zur Realisierung neuer Geschäftsmodelle bietet. Die Plastic Bank zeigte Anwendungsfelder von Blockchain-Lösungen zur Realisierung von Kunststoffrecycling in Entwicklungsländern. Und das Start-up „cirplus“ stellte seine Internetplattform für Kunststoffrezyklate vor.

Abgerundet wurde der Workshop durch einen Überblick über das BMBF-Förderprogramm „Ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft – Innovative Produktkreisläufe (ReziProK)“.

Dieser Artikel ist im chemie report 9/2019 erschienen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Henrik Meincke

E-Mail: meincke@vci.de