Standpunkt

Die Chancen des Wandels nutzen

In der Ära „Chemie 4.0" - geprägt von Digitalisierung und zirkulärer Wirtschaft - müssen sich die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie vor allem darauf einstellen, dass sie zukünftig weniger in linear strukturierten Wertschöpfungsketten und dafür viel mehr in digitalisierten ökonomischen Netzwerken arbeiten. Die Politik kann diesen Wandel fördern, indem sie ein Umfeld schafft, das neue Produkte und Investitionen stimuliert.

VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE
VCI-Präsident Kurt Bock - Foto: © BASF SE

Die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Deutschland haben immer wieder gezeigt, dass sie grundlegende Veränderungen in ihrem Wettbewerbsumfeld erfolgreich meistern können: Beispiele in 150 Jahren industrieller Chemie sind der Rohstoffwandel, die Verlagerung der Wachstumszentren in die Schwellenländer und die heute breit in der Gesellschaft verankerte Forderung eines nachhaltigen Wirtschaftens.

Jetzt nimmt die Branche die nächste Herausforderung an: „Chemie 4.0“. Digitalisierung und zirkuläre Wirtschaft werden diese Phase in den kommenden Jahrzehnten prägen. Das zeigt eine umfassende Analyse der Einflussfaktoren auf das Chemie- und Pharmageschäft bis 2030, die der VCI mit dem Partner Deloitte durchgeführt hat.

Die Digitalisierung und die Nutzung von „Big Data“ eröffnen unseren Unternehmen Chancen für gezieltere Forschung, effizientere Produktion und neue Geschäftsmodelle. Für uns bietet sich dadurch die Perspektive, die globale Wettbewerbsfähigkeit des hochentwickelten Chemie- und Pharmastandorts Deutschland zu stärken: Wir werden mit innovativen Prozessen, Produkten und Dienstleistungen entscheidend zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beitragen. Zwar wird unsere Branche auch künftig ein klassischer Lieferant von Werkstoffen für andere Industriezweige bleiben. Gleichzeitig wird aber unsere Rolle als Dienstleister wichtiger – zum Beispiel, um uns im Beziehungsgeflecht einer zirkulären Wirtschaft zentral zu positionieren.

Die Studie zeigt auch auf, wie wir die Chancen von Chemie 4.0 nutzen können: Unsere Unternehmen müssen sich vor allem darauf einstellen, dass sie zukünftig weniger in linear strukturierten Wertschöpfungsketten und dafür viel mehr in digitalisierten ökonomischen Netzwerken arbeiten. Um darin erfolgreich zu sein, müssen sie Kooperationen eingehen und Plattformen aufbauen. Die Politik kann an vielen Stellen helfen, den Wandel zu Chemie 4.0 zu fördern. Im Kern geht es darum, ein Umfeld zu schaffen, das neue Produkte und Investitionen stimuliert. Die Industriepolitik der nächsten Bundesregierung muss daher vor allem eines sein: gute Innovationspolitik.

Dr. Kurt Bock
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI)

Ansprechpartner:
dialog@vci.de

Zum chemie report 10/2017 mit Leitartikel zur VCI-Deloitte-Studie „Chemie 4.0 - Wachstum durch Innovation in einer Welt im Umbruch"

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Alle Infos und Neuigkeiten rund um Chemie 4.0 finden Sie auch auf dieser fortlaufend aktualisierten Themenseite: www.vci.de/chemie40