Deutschland im Lockdown

Wirtschaft schrumpft am Jahresanfang

Seit November 2020 befindet sich Deutschland wieder im Corona-Lockdown. Die Maßnahmen bergen die Gefahr eines erneuten Konjunktureinbruchs. Auch das Wachstumspotenzial der Wirtschaft insgesamt könnte einen dauerhaften Dämpfer erleiden. Die deutsche Wirtschaft wird im ersten Quartal 2021 voraussichtlich schrumpfen. Das dämpft auch die Aussichten für das Chemiegeschäft.

Die wirtschaftliche Erholung setzt sich zum Jahresauftakt 2021 nicht fort. Experten rechnen für das erste Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland. - Bild: © m.mphoto - stock.adobe.com
Die wirtschaftliche Erholung setzt sich zum Jahresauftakt 2021 nicht fort. Experten rechnen für das erste Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland. - Bild: © m.mphoto - stock.adobe.com

Mit der raschen Erholung und niedrigen Covid-19-Infektionszahlen schien im Spätsommer 2020 die Überwindung der Corona-Pandemie nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Auch das Ende der Wirtschaftskrise schien nahe. Die Notwendigkeit eines zweiten Lockdowns wurde lange verneint. Das änderte sich erst im Oktober, als die Infektionszahlen über Wochen exponentiell stiegen.

Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten beschlossen einen „Shutdown light“. Anfang Dezember wurden die Maßnahmen verlängert. Weite Teile des Einzelhandels sowie Kitas und Schulen schlossen. Mitte Januar kam die erneute Verlängerung und Verschärfung der Maßnahmen. Mittlerweile sinken die Infektionszahlen. Dennoch ist angesichts neuer, hochansteckender Virusmutationen ein Ende des Lockdowns im Februar unwahrscheinlich.

Blaues Auge am Jahresende 2020

Im Schlussquartal 2020 war die deutsche Wirtschaft noch mit einem blauen Auge davongekommen. Der Lockdown setzte weiten Teilen des Dienstleistungssektors hart zu. Doch die Baukonjunktur blieb stabil, und auch die Industrie setzte ihren Erholungsprozess fort. Viele Branchen – wie die Automobilindustrie – konnten Ende 2020 bereits wieder an das Vorkrisenniveau anknüpfen. Die steigende Industrieproduktion belebte die Nachfrage nach Chemikalien. Die chemisch-pharmazeutische Industrie konnte Produktion und Umsatz zum Jahresende 2020 ausweiten.

Rückgang im ersten Quartal 2021

Dieser Trend setzt sich aber zum Jahresauftakt 2021 nicht fort. In der Industrie nehmen aktuell die Störungen internationaler Lieferketten zu. Zusätzlich kommt es zu Materialknappheiten und Lieferverzögerungen. Wirtschaftsexperten rechnen für die Monate von Januar bis März inzwischen mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu drei Prozent im Vergleich zum Vorquartal. In diesen Prognosen kann die Industrie den kräftigen Einbruch im Dienstleistungssektor nicht mehr kompensieren. Im Gastgewerbe, in Teilen des Einzelhandels sowie in der Reise- und Eventbranche häufen sich demnach die Insolvenzen, Arbeitsplätze gehen verloren.

Licht am Ende des Tunnels

Vieles spricht aber auch dafür, dass die deutsche Wirtschaft bereits im zweiten Quartal wieder Fahrt aufnehmen kann. Das Infektionsgeschehen flaut aktuell ab. Die Corona-Maßnahmen wirken. Zudem haben die Impfungen in Europa begonnen. Eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent und damit eine weitgehende Normalisierung des öffentlichen Lebens bis zum Herbst scheint erreichbar. Dann könnte sich auch der Dienstleistungssektor kräftig erholen.

Die deutsche Wirtschaftsleistung sollte nach Meinung vieler Experten in diesem Jahr insgesamt um drei bis vier Prozent wachsen. Davon würde dann auch wieder die chemisch-pharmazeutische Industrie profitieren. Doch das wird kein Selbstläufer.

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Ansprechpartner

Dr. Henrik Meincke

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