Pflanzenbiotechnologie

Mehr Rechtssicherheit durch verlässliche Schwellenwerte

Weltweit ist die Pflanzenbiotechnologie etabliert. Auf mehr als 134 Millionen Hektar werden die unterschiedlichsten gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) angebaut. Die Anzahl der außerhalb Europas neu zugelassenen GVP wächst rasant.

Obwohl bereits eine beachtliche Zahl von GVP in die EU importiert und als Lebens- und Futtermittel verwendet werden dürfen, ist Europa nicht in der Lage, mit der Zulassungsdynamik anderer Länder Schritt zu halten. Aus politischen Beweggründen werden Genehmigungsverfahren immer wieder blockiert und Entscheidungen hinausgezögert. Die Schere zwischen zugelassenen und nicht zugelassenen GVP klafft dadurch immer weiter auseinander.​

Nach den geltenden europäischen Rechtsvorschriften besteht in der EU im Hinblick auf Spuren von nicht in der EU zugelassenen GVP eine Nulltoleranz. Das bedeutet, dass jeglicher, noch so geringfügige Spuren- oder Staubnachweis dieser GVP in Lebens- und Futtermitteln sowie im Saatgut zur Aberkennung der Verkehrsfähigkeit betroffener Produktchargen führt. Das damit verbundene wirtschaftliche Risiko wird für Züchter, Händler und Landwirte aller Wirtschaftssysteme zunehmend unkalkulierbar und untragbar.

Der stetig steigende kommerzielle Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, die Verknüpfung weltweiter Warenströme und das Ungleichgewicht des Zulassungsumfangs steigern die Wahrscheinlichkeit, dass geringste in der EU noch nicht genehmigten GVP-Spuren in Produkten nachgewiesen werden. Die Akteure der europäischen Agrar- und Ernährungswirtschaft sind jedoch auf verlässliche rechtliche und politische Rahmenbedingungen angewiesen, um ihre Positionen im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Schwellenwerte ziehen die Grenze zwischen einer bewussten Anwendung der Gentechnik und unbeabsichtigten, technisch und biologisch unvermeidbaren Spuren gentechnisch veränderter Bestandteile in konventionellen Erzeugnissen.
Zur Schaffung von Rechtssicherheit für alle Wirtschaftsbeteiligten fordert die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie:

  • europäisch einheitliche und praktikable Regelungen für den Umgang mit GVP-Spuren in konventionellen Produkten, sowie
  • kurzfristige Rechtssicherheit durch Festlegung nationaler Übergangsregelungen.

Empfehlungen

Etablierung verlässlicher Probenahme- und Nachweisverfahren

  • Technische Lösung für nicht in der EU zugelassene GVP in Futtermittel, Lebensmittel und Saatgut.
  • Probenahme, Analytik, Interpretation und Kommunikation der Ergebnisse muss bundeseinheitlich definiert sein und angewendet werden.
  • Absicherung von Ergebnissen durch eine B-Probe ist unabdingbar.
  • Ergebnisse > 0,1% führen zum Vermarktungsausschluss.

Schwellenwerte für Saatgut

  • 0,5% gültig für Spuren von in der EU zum Anbau genehmigten GVP
  • Ergebnisse > 0,5% führen zur Kennzeichnung entsprechender Partien

Schwellenwerte für Futtermittel und Lebensmittel

  • 0,9% gültig für Spuren von in der EU sicherheitsbewerteten und zugelassenen GVP in Lebens- und Futtermitteln.
  • Ergebnisse > 0,9% führen zur Kennzeichnung (gentechnisch verändert/modifiziert).

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Ricardo Gent

E-Mail: gent@vci.de