Bioökonomie

Synthetische Biologie

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Neue Medikamente, maßgeschneiderte Werkstoffe oder komplett C-freie Kraftstoffe – all das und vieles mehr soll eines Tages mithilfe der Synthetischen Biologie erreicht werden.Synthetische Biologie findet ausschließlich auf der Ebene der Grundlagenforschung statt. Eine international anerkannte Definition dieses Forschungsbereichs wird aktuell debattiert. Die DIB begleitet den Meinungsbildungsprozess in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Im Grenzgebiet von Biologie, Molekularbiologie, Chemie, Ingenieurwissenschaften, Biotechnologie und Informationstechnik entwickelt sich derzeit ein neues Forschungsgebiet, die Synthetische Biologie. Aus Sicht der DIB geht es bei der Synthetischen Biologie im Kern darum, aus verschiedenen Elementen ein neuartiges biologisches System herzustellen. Die Biologie wird hier vor allem durch eine ingenieurswissenschaftliche Brille betrachtet: Zellen stellen demnach „biologische Maschinen“ dar, die aus Modulen wie Genen und Proteinen mit verschiedenen Funktionen zusammengebaut sind. Diese Module oder sogenannte Biobricks könnten in Zukunft gezielt miteinander kombiniert werden. Man erhofft sich dadurch zum Beispiel neue Produktionssysteme für Substanzen, die allein auf Basis der heutigen Chemie nicht effizient oder auch gar nicht hergestellt werden können.

Meinung der EU-Kommission

Eine international anerkannte Definition des Forschungsbereichs Synthetische Biologie wird aktuell noch debattiert und es existieren teils sehr verschiedene Vorstellungen darüber was die Synthetische Biologie umfasst. Dies zeigte 2014 auch die Konsultation der EU, bei welcher zahlreiche teils widersprüchliche Definitionen zusammengetragen wurden. Die EU-Kommission veröffentlichte daraufhin im Jahr 2015 ihre Position.

„Synthetic Biology is the application of science, technology and engineering to facilitate and accelerate the design, manufacture and/or modification of genetic materials in living organisms.”

Frei übersetzt:

„Synthetische Biologie wird definiert als „die Anwendung von Wissenschaft, Technologie und Ingenieurtechnik, um Konstruktion, Herstellung und/oder Änderung genetischen Materials in lebenden Organismen zu vereinfachen und zu beschleunigen.“

Aktueller Stand: Grundlagenforschung

Kritik an der Definition der EU-Kommission kommt seitens Wissenschaft und Industrie. Die Definition enthält derzeit keine Kriterien, die eine Unterscheidung von Synthetischer Biologie und herkömmlicher Biotechnologie zulässt. Schon heute ist es möglich, mithilfe der Biotechnologie Gene in großen Mengen zu kopieren und in andere Organismen zu übertragen, die schließlich das gewünschte Produkt herstellen.

Die Synthetische Biologie ist derzeit noch entfernt davon spezifische Produkte zu entwickeln. Denn sie will viel mehr als vorhandene Gene kopieren und in andere Organismen einschleusen. Biobricks aus unterschiedlichen Organismen sollen miteinander kombiniert werden. Ob und wie das funktionieren kann, untersucht derzeit die Grundlagenforschung.

Zukunftsperspektiven eröffnen

Die Diskussionen über Synthetische Biologie führen zu vermehrten Rufen nach Regulierung oder gar einem Moratorium. Dabei unterliegen alle bislang durchgeführten Forschungsprojekte, die als Synthetische Biologie deklariert werden, bereits strengen Vorschriften und sind ausreichen reguliert. Zu nennen sind insbesondere das Gentechnik-, Chemikalien-, Arbeitsschutz-, Arzneimittelgesetz und die Biowaffenkonvention. Zur gleichen Schlussfolgerung kommt auch die ZKBS in ihrem in diesem Jahr veröffentlichten 2. Bericht zur Synthetischen Biologie.

Weitere Informationen:

  • Die finale Position der EU Kommission
  • Eine Zusammenfassung der drei Konsulationen der EU finden Sie auf den Internetseiten des Bayrischen Landesamtes für Gesundheit und Lebenmittelsicherheit
  • Informationen zur internationalen Diskussion über Synthetische Biologie im Rahmen der Biodiversitätskonvention (CBD)
  • 2. Bericht der ZKBS zur Synthetischen Biologie (2018)
  • Position von VBIO zur Definition der Synthetischen Biologie der EU

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Ricardo Gent

E-Mail: gent@dib.org