Ungenutztes Potenzial

Pflanzenbiotechnologie – ein Beitrag zur Nachhaltigkeit

Eines der zentralen Ziele der europäischen Politik ist die nachhaltige Entwicklung. Dabei spielen die landwirtschaftliche Produktion und der Handel mit Agrarprodukten eine wichtige Rolle. Sie sollen ökologisch und sozial verträglich, ressourcenschonend und gleichzeitig wettbewerbsfähig sein. Das ist auch der Weg zu mehr Klimaschutz. Gentechnisch veränderte Pflanzen können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Doch anders als vom Rest der Welt wird in der EU dieses Potenzial nicht genutzt. Die E-Broschüre „Pflanzenbiotechnologie – ein Beitrag zur Nachhaltigkeit“ diskutiert die Folgen und Handlungsoptionen.

© DIB/EuropaBio

Magazin
22 Seiten / DIN A4

Zielgruppe:
Politik, breite Bevölkerung

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Gentechnisch veränderte (gv-) Pflanzen werden seit 1995 weltweit kommerziell auf immer größeren Flächen angebaut. Wie aus dem aktuellen Bericht der privaten Organisation „International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications“ (ISAAA) hervorgeht, hat sich die Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen im Jahr 2014 auf weltweit 181 Millionen Hektar ausgeweitet (2013: 175 Million Hektar). Das entspricht annähernd der gesamten landwirtschaftlichen Fläche der EU-27. 2014 setzten rund 18 Millionen Landwirte in 28 Ländern gentechnisch optimiertes Saatgut ein. Seit vielen Jahren belegen wissenschaftliche Fakten und weltweite Erfahrungen im praktischen Anbau, dass gv-Pflanzen genauso sicher und verträglich sind wie konventionell gezüchtete. Zudem kann der Anbau von gv-Pflanzen mit zahlreichen ökologischen und ökonomischen Vorteilen verbunden sein: Bodenschonende Anbauverfahren, höhere Einkommen für Landwirte und geringe Emissionen von Treibhausgasen sind nur drei Beispiele.

Europäischer Zulassungsstau gefährdet Agrarimporte

In der EU und in Deutschland hat sich der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen dagegen vom weltweiten Trend abgekoppelt. Chronisch verzögerte Zulassungsprozesse führen dazu, dass viele der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen noch keine Marktzulassung in Europa haben. Auch ist es in den Anbauländern schon längst nicht mehr möglich, in der EU zugelassene und nicht zugelassene Pflanzen vollständig voneinander zu trennen. Da die EU bisher keine praktikablen Regelungen für minimale Spuren noch nicht-zugelassener gv-Pflanzen in Importware eingeführt hat, besteht ständig die Gefahr, dass ganze Schiffsladungen hierzulande ihre Verkehrsfähigkeit verlieren. Dabei ist die europäische Wirtschaft hochgradig abhängig von Agrarimporten. Bei Sojabohnen wird dies besonders deutlich. Die europäische Landwirtschaft produziert selbst nur 30 Prozent des benötigten Eiweiß für die heimische Tierproduktion. Mehr als 30 Millionen Tonnen Sojaimporte müssen diese „Eiweißlücke“ jedes Jahr schließen. Gleichzeitig sind auf dem Weltmarkt fast ausschließlich nur noch gv-Sojabohnen verfügbar. In der Diskussion sind daher Alternativen wie ein heimischer Anbau von konventionellem Soja oder Körnerleguminosen. Doch dieser Anbau ist nach vor liegenden Analysen zumindest in Teilaspekten nicht nachhaltiger als Sojaimporte aus Übersee.

Handelsunterbrechungen und Wirtschaftsschäden vorprogrammiert

Diese Situation wird sich in Zukunft noch verschärfen, da weltweit die Zahl der angebauten gv-Pflanzen schnell steigt. Bleiben die aktuellen EU-Importregelungen und der Zulassungsstau bestehen, wird kaum noch ein Händler das immense Importrisiko tragen und es wird zwangsläufig zu dauerhaften Handelsunterbrechungen mit harten wirtschaftlichen Folgen für die EU kommen. Schon jetzt sind durch diese Importhürden der EU wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe entstanden. Von einer nachhaltigen Agrarpolitik kann hier nicht mehr die Rede sein.

Vor diesem Hintergrund muss der europäische Umgang mit gv-Pflanzen grundlegend und zügig überdacht werden. Die Broschüre stellt die oben skizzierten Zusammenhänge und Fakten näher vor und plädiert für eine nachhaltige Neuorientierung der europäischen Agrarpolitik.

Die gemeinsamen Herausgeber der E-Broschüre sind:

DIB
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Tel +49 69 2556-1504, Fax +49 69 2556-1620
E-Mail: info@dib.org
http://www.dib.org

EuropaBio
Avenue de l'Armée 6, 1040 Brussels (Belgien)
Tel +32 2 735 03 13, Fax +32 2 735 49 60
E-Mail: communications@europabio.org
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Ansprechpartner

Dr. Marie-Luise Roth

E-Mail: m.roth@dib.org