Anbau gentechnisch optimierter Nutzpflanzen wächst weltweit

Europa muss Chancen der Pflanzenbiotechnologie nutzen

Weltweit setzen immer mehr Landwirte auf die Vorteile gentechnisch optimierter Nutzpflanzen (GVO). In der EU ist die Entwicklung rückläufig. Das geht aus dem aktuellen Bericht der nichtstaatlichen Organisation „International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications“ (ISAAA) hervor.

Weltweit setzen immer mehr Landwirte auf die Vorteile gentechnisch optimierter Nutzpflanzen (GVO). In der EU ist die Entwicklung rückläufig. Das geht aus dem aktuellen Bericht der nichtstaatlichen Organisation „International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications“ (ISAAA) hervor. Nach ihren Erhebungen hat sich die Anbaufläche für transgene Pflanzen 2009 um gut 7 Prozent auf weltweit 134 Millionen Hektar erneut ausgeweitet. Das entspricht annähernd der Fläche, die der gesamten Landwirtschaft in Westeuropa zur Verfügung steht. Über 14 Millionen Landwirte in 25 Ländern verwendeten 2009 gentechnisch optimiertes Saatgut. Beispielsweise stammt jede zweite Baumwollfaser aus GVO’s.

Der Vorsitzende der Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie (DIB), Dr. Stefan Marcinowski, appellierte an die politischen Entscheidungsträger in Brüssel, die Haltung zum Anbau gentechnisch veränderter Kulturpflanzen in Europa grundsätzlich zu überdenken und zu handeln: „Allein 2008 importierte die EU 30 Millionen Tonnen Futtermittel aus dem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen, hauptsächlich um hierzulande eine gute, ausreichende und international wettbewerbsfähige Proteinversorgung zu garantieren. Das sind umgerechnet jährlich rund 60 Kilogramm je EU-Bürger, die in der Nahrungsmittelkette zum Einsatz kommen. Die 14 Millionen Bauern in der Welt, die GVO-Pflanzen anbauen, tun dies, weil sie den ökonomischen und ökologischen Nutzen Jahr für Jahr persönlich erleben. Dieser Nutzen sollte auch den europäischen Landwirten zugänglich sein. Wir vertrauen darauf, dass die neue EU-Kommission die bereits 12 Jahre dauernde Zulassungsblockade beendet. Gentechnisch veränderte Pflanzen ermöglichen nicht nur höhere und qualitativ bessere Ernten in der Landwirtschaft. Sie erschließen auch Biomasse als nachwachsenden Rohstoff für die Industrie, als Energieträger oder als Biofabrik zur Herstellung von Arzneistoffen. Diese Chancen für den Hightech-Standort Europa dürfen wir nicht verpassen.“

Marcinowski verweist darauf, dass gentechnisch veränderte Pflanzen die am sorgfältigsten untersuchten Pflanzen überhaupt sind. „Seit vielen Jahren belegen wissenschaftliche Fakten und weltweite Erfahrungen im praktischen Anbau, dass sie genauso sicher und verträglich sind wie konventionell gezüchtete Pflanzen. Es gibt kaum Produkte, die umfassender geprüft werden als diese.“

Die DIB begrüßt, dass die Bundesregierung die Biotechnologie laut Koalitionsvertrag als eine zukunftsweisende Technologie fördern und sich für eine Beendigung des Zulassungsstaus auf EU-Ebene einsetzen will. Den Worten müssten jetzt aber auch Taten folgen, so Marcinowski. Die DIB wie die führenden Wissenschaftsorganisa¬tionen vertreten die Position, dass bei der Risikobewertung und beim Risikomanagement zur Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU und in Deutschland naturwissenschaftliche Maßstäbe angelegt werden. Wird das Produkt aufgrund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse als sicher bewertet, sollte es umgehend zugelassen werden.

Seit 1998 hat in der EU keine neue gentechnisch veränderte Pflanze eine Zulassung zum kommerziellen Anbau erhalten. Lediglich der Import von Futtermitteln aus gentechnisch veränderten Pflanzen in die EU wurde genehmigt. Über die Empfehlungen der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA zu Anbaugeneh-migungen, die auf naturwissenschaftlichen Bewertungen der EU-Mitgliedstaaten und eines auf Gentechnik spezialisierten Expertengremiums unabhängiger Wissen-schaftler beruhen, wird seit mehr als zehn Jahren nicht entschieden. Zwischen EU-Kommission und den 27 Mitgliedsstaaten der EU kam es im Rat der EU-Agrarminister bislang stets zu einer Pattsituation, in der weder für noch gegen eine Zulassung genügend Stimmen zusammenkamen. Bislang sieht das Verfahren für solch einen Fall vor, dass die Entscheidungsbefugnis wieder zurück an die EU-Kommission delegiert wird.

Kontakt: VCI-Pressestelle, Herr Oliver Claas, Telefon: 069 2556-1496, E-Mail: presse@dib.org