Genome Editing: Zukunftstechnologie für die Life-Science-Industrie

Genome Editing: Differenziert und mit Weitblick bewerten

Genome Editing ist eine essentielle Zukunftstechnologie für die Life-Science-Industrie. Es eröffnet völlig neue Möglichkeiten bei der Erforschung und Entwicklung von Arzneimitteln, Pflanzensorten und im Bereich industrielle Biotechnologie. In Europa diskutieren Politiker und Fachleute derzeit darüber, ob die Methoden des Genome Editing konventionelle oder gentechnisch veränderte Organismen (GVO) im Sinne des EU-Gentechnikrechts erzeugen. Die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit (ZKBS) in Deutschland hat die Methoden schon lange rechtlich eingeordnet.

Unter Genome Editing versteht man eine Reihe molekularbiologischer Methoden, die aus der Natur stammen und als hochpräzise Werkzeuge punktgenau einzelne DNA-Bausteine bearbeiten. Sie gleichen einem mikrochirurgischen Eingriff, bei dem Gene an- oder ausgeschaltet, eingefügt oder entfernt werden können.

Die Methoden kommen weltweit in der Grundlagenforschung, Biotechnologie und Biomedizin zum Einsatz – denn sie tragen unter anderem dazu bei, bisher unheilbare Krankheiten wie Multiple Sklerose, Alzheimer oder HIV-Infektionen zu entschlüsseln und damit zu heilen oder Antibiotikaresistenzen auszuschalten.

Genome Editing ist eine wichtige Zukunftstechnologie. Eine Bewertung über ihre Chancen (Innovationsprinzip) und Risiken (Vorsorgeprinzip) sollte deshalb nicht pauschal erfolgen, sondern sich auf naturwissenschaftliche Einzelfallbewertungen stützen. Einige Methoden können zu gentechnisch veränderten Organismen (GVO) führen, andere nicht. Wenn das Produkt ein GVO ist, fällt es unter das Gentechnikrecht. Ist es kein GVO, gehört es beispielsweise in den Bereich des Chemikalien-, Arbeitsschutz- oder Arzneimittelgesetzes oder bei Produktionsanlagen unter das Bundesimmissionsschutzgesetz.

Eine pauschale und nicht naturwissenschaftlich begründete Regulierung, die alle Methoden des Genome Editing ausschließlich zur Gentechnik erklärt, würde insbesondere die Forschung, Entwicklung und Produktion kleiner und mittelständischer Unternehmen in Europa und Deutschland im internationalen Wettbewerb schwer benachteiligen. Unternehmen, Wissen und Innovation würden aufgrund unkalkulierbarer rechtlicher Rahmenbedingungen weiter verstärkt ins außereuropäische Ausland abwandern und das Know-how in der Biotechnologie geht mit.

Die Industrie und deren Verbände sowie die Politik stehen in vorderster Linie wenn es darum geht, die neuen Verfahren sachgerecht zu beurteilen und ihre Produkte geeignet zu klassifizieren. Daher bieten wir den politischen Entscheidungsträgern an, in einem konstruktiven Dialog über Lösungen zu sprechen.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Ricardo Gent

E-Mail: gent@vci.de