Haushalt

Die größten Haushaltshelfer sind unsichtbar: ob im duftenden Erfrischungsspray oder im Waschmittel – auch hier steckt Biotechnologie drin.

Dämpfer für unangenehme Gerüche

© Wacker Chemie AG

Hinter Geruchsstopper-Sprays steckt verblüffende Chemie: Die Sprays enthalten bestimmte Zuckerverbindungen (Cyclodextrine), die auf biotechnologischem Weg aus Stärke hergestellt werden. Diese ringförmigen Verbindungen können unangenehme Geruchsstoffe in ihrem Inneren aufnehmen. Darüber hinaus kann man sie zur Eindämmung von Gerüchen auch auf Textilfasern fest verankern.​

Waschmittelenzyme - klein aber oho!

© VCI

Sie gelten als Fleckenwunder und haben sich in Reinigungsmitteln bereits seit Jahrzehnten bewährt: Enzyme – Eiweißstoffe, die bestimmte Substanzen zerlegen oder chemisch verändern können. Nur wenige Milligramm biotechnologisch produzierter Enzyme werden in Waschmitteln und Geschirrspülmitteln eingesetzt. Während des Waschens oder Spülens dringen sie gezielt in Verschmutzungen ein und spalten diese auf. Dabei knackt jedes Enzym nur einen ganz bestimmten Stoff: Eine Gruppe von Enzymen spaltet Eiweiße und wirkt zum Beispiel gegen Ei-, Blut-, Milch- und Spinatflecken. Eine andere spaltet Stärke und löst Verschmutzungen wie Kartoffelbrei, Schokolade oder Pudding. Eine weitere spaltet Fette und wirkt zum Beispiel gegen Salatöl, Bratenfett, Kragenfett (Talg) und Kosmetika. Andere spezialisierte Enzyme wiederum entfernen Baumwollfusseln oder konservieren die glatte Oberfläche und Farbe von Textilien. Welche Enzymtypen im jeweiligen Waschmittel enthalten sind, steht auf der Verpackung. Die hochwirksamen Helfer treten bereits bei niedrigen Temperaturen in Aktion. So schonen sie Textilien und sparen Energie und Wasser. Ihre gezielte Reinigungswirkung verringert den Waschmittelverbrauch und wirkt sich ebenfalls Kosten sparend aus. Alle Enzyme sind biologisch abbaubar. das heißt, sie belasten weder Böden noch Gewässer.

Schlichtweg schönere Textilien

© Novo Nordirsk GmbH

Garne sind beim mechanischen Weben hohen Belastungen ausgesetzt. Aus diesem Grund umgibt man sie mit einem schützenden Mantel, der so genannten Schlichte. Vor der weiteren Verarbeitung des Gewebes, etwa dem Färben, muss diese Schlichte wieder entfernt werden. Handelt es sich um ein Baumwollgewebe, so muss man auch natürliche Begleitsubstanzen der Faser wie zum Beispiel Fette und Wachse vor dem Färben beseitigen. Heute werden in der Textilindustrie gentechnisch hergestellte Enzyme eingesetzt, die auf den Abbau der Schlichte oder der Faserbegleitstoffe jeweils hoch spezialisiert sind. Werden die Textilien vor dem Färben mit Bleichmitteln behandelt um später brillante Farben zu erhalten, kommen weitere Enzyme zur Anwendung. Sie bauen die Bleichmittelreste ab und führen dazu, dass im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren auf ein bis zwei Spülgänge verzichtet werden kann. Weil Enzyme bei milden Temperaturen arbeiten, reduzieren sie in der Textilbranche häufig den Energieverbrauch. Weiterhin spart man durch den Einsatz von Enzymen Zeit und Wasser. Man reduziert die Abwassermenge und erreicht oft sogar eine höhere Qualität der Textilien.

Eine reife Leistung

© VCI

Käse wird aus Milch gemacht. Dazu muss die Milch gerinnen, oder, wie es in der Käsereisprache heißt, „dickgelegt“ werden. Für diese Arbeit braucht man ein Enzym, also ein Eiweiß, das chemische Reaktionen in Gang bringt beziehungsweise beschleunigt. Für die Käseherstellung wird das Enzym Chymosin verwendet. Indem es bestimmte Eiweißstoffe in der Milch spaltet, führt es zur Milchgerinnung und somit zur Bildung der festen Käsemasse. Traditionell wurde Chymosin aus den Mägen junger, säugender Kälber gewonnen, die es zur Verdauung der Muttermilch brauchen. Die Aufarbeitung des Enzyms aus Kälbermägen ist jedoch sehr aufwändig und auch Umwelt belastend. Außerdem ist die Ausbeute an Chymosin nur gering, so dass man theoretisch 70 Millionen Kälbermägen benötigen würde, um den weltweiten Käsebedarf zu decken. Aus diesem Grund wurde Chymosin 1988 erstmals mit Mikroorganismen hergestellt, denen man mit Hilfe der Gentechnik den Bauplan zur Bildung von Chymosin übertragen hat. Das so erzeugte Enzym ist geschmacklich identisch und zudem erheblich reiner. Damit bietet es eine wertvolle Alternative zum Enzym aus tierischer Herkunft. Um den weltweit steigenden Bedarf an Käse zu decken, wird heute bereits bis zu 70 Prozent des Hartkäses in den USA mit biotechnologisch hergestelltem Chymosin erzeugt.

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Dr. Ricardo Gent

E-Mail: gent@dib.org

Stanislaus Koch

E-Mail: s.koch@dib.org