Parlamentarischer Abend des VCI in Berlin

Die Wirtschaft stärken und Integration fördern

Die Flüchtlingskrise, die das Ergebnis der Landtagswahlen Anfang März in drei Bundesländern stark beeinflusst und die Parteienlandschaft massiv verändert hat, und das Thema Innovation prägten die Redebeiträge auf dem Parlamentarischen Abend des VCI. Rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Behörden folgten der Einladung ins Hotel Adlon.

VCI-Präsident Marijn Dekkers (2. v.r.) mit den Gastrednern der Bundestagsfraktionen - v.l.: Hubertus Heil (SPD), Kerstin Andreae (Bündnis 90/Die Grünen), Volker Kauder (CDU/CSU) - Foto: © VCI/Darchinger
VCI-Präsident Marijn Dekkers (2. v.r.) mit den Gastrednern der Bundestagsfraktionen - v.l.: Hubertus Heil (SPD), Kerstin Andreae (Bündnis 90/Die Grünen), Volker Kauder (CDU/CSU) - Foto: © VCI/Darchinger

Die große Zahl der Flüchtlinge stelle eine enorme Herausforderung dar, sagte VCI-Präsident Marijn Dekkers und betonte, „die chemische Industrie toleriert keine Form von Fremdenfeindlichkeit." Der Wahlsonntag sei aber ein Weckruf für eine verantwortungsbewusste Politik. Es müsse den Bürgern von den Parteien erklärt werden, wie die Aufnahme und Integration der Flüchtlinge gelingen soll.

VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers
VCI-Präsident Dr. Marijn Dekkers © VCI/Darchinger
Marijn Dekkers,
Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie e.V.

„Wir müssen Chancen und Risiken neuer Technologien ausgewogen betrachten. Dafür brauchen wir, über Politik und Wirtschaft hinaus, eine positive Kultur für Innovationen. Wir brauchen gesellschaftliche Akzeptanz für Innovationen statt German Angst.“






Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Volker Kauder, bezeichnete die Flüchtlingskrise als die größte Herausforderung für Deutschland seit der Nachkriegszeit. „Es erfüllt mich einerseits mit Stolz und Dankbarkeit, wie viele Menschen und auch Unternehmen mitgeholfen haben, dieses Problem vor Ort zu bewältigen. Andererseits haben wir noch große Aufgaben für die Integration vor uns.“ Dabei spiele auch die Wirtschaft eine Rolle. Arbeit sei ein wesentlicher Faktor für diesen Prozess vor allem bei jungen Menschen sei. Deshalb müsse sich die Politik stärker damit auseinandersetzen, wie sie die Wirtschaft unterstützen könne, damit diese auch in Zukunft in der Lage sei, auf dem derzeitigen Niveau für Arbeitsplätze zu sorgen und Steuern zu entrichten. Kauder richtete in diesem Zusammenhang den Appell an den Regierungspartner „Die Koalition wird fraglos bis Herbst 2017 halten. Gemeinsam müssen wir bis dahin Ergebnisse vorlegen, mit denen sich die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft verbessern und Auflagen verringern lassen.“

Volker Kauder
Volker Kauder © VCI/Darchinger
Volker Kauder,
Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion:

„Bevor wir über soziale Wohltaten reden, muss die Basis dafür sichergestellt werden. Und das ist unsere Wirtschaft. Ich sehe mit Sorge, dass die Investitionsbereitschaft zurückgeht. Das hängt mit den Rahmenbedingungen zusammen, zum Beispiel der Energiepolitik.“







„Der Ausgang des Wahlsonntags vom 13. März kann keinen Demokraten in Deutschland freuen, weil unser Land vor enormen Herausforderungen steht“, erklärte Hubertus Heil, Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. Deutschland befinde sich dank externer Faktoren und einer starken Industrie in einer guten wirtschaftlichen Situation, um die Probleme der Flüchtlingskrise bewältigen zu können. Integration werde es nicht zum Nulltarif geben. Länder und Kommunen müssten massiv in Bildung investieren. Heil appellierte an die Industrie, für eine offene und liberale Gesellschaft einzutreten. „Wir dürfen die Ängste der Bürger nicht ignorieren. Aber wir dürfen es auch nicht zulassen, dass Hass gepredigt und Stimmung gegen Minderheiten betrieben wird.“

Eine schleichende De-Industrialisierung durch niedrige Investitionsquoten seit einer Dekade, so Heil, bedrohe die industrielle Substanz am Standort. Daraus ergäben sich Aufgaben für die Politik: Die Energiewende stelle keine Partei mehr in Frage. Aber für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien seien grundlegende Reformen „für Mengensteuerung durch marktwirtschaftliche Mechanismen, für mehr Kosteneffizienz und Planbarkeit“ nötig. Beim Emissionshandel brauche es für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der Grundstoffindustrie ausreichende Maßnahmen gegen Carbon Leakage. „Wir werden es nicht zulassen, dass die Wettbewerbsfähigkeit unserer energieintensiven Unternehmen, die Eigenstrom produzieren, durch Brüssel kaputt gemacht wird.“

© VCI/Darchinger
Hubertus Heil,
Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion:

„Deutschland ist wirtschaftlich stark, weil wir nach wie vor eine große industrielle Wertschöpfung und einmalige Wertschöpfungsketten haben wie keine andere Nation. Das gibt uns Kraft, manche Herausforderung zu bestehen – auch die Flüchtlingskrise.“






Den Schwerpunkt ihres Grußwortes setzte Kerstin Andreae, Stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, zur Innovationspolitik: „Wir brauchen Ihr Innovationspotenzial, um die Wirtschaft stärker zu ökologisieren.“ Dies werde in der Bionik evident, wo viele faszinierende Beispiele aus der Chemie kämen und zeigten, dass man von der Natur lernen könne: „Die Chemie kann grün“, stellte Andreae fest. Aber auch wenn die Branche mit ihren Produkten erheblich zu Energiesparen und Ressourcenschonung beitrage, sei sie gleichzeitig aufgrund ihrer fossilen Rohstoffbasis maßgeblich für Treibhausgasemissionen verantwortlich. „Wir als Grüne setzen auf Sie bei diesem Problem. Wir wollen Kooperation statt Konfrontation.“ Um kreative Ideen zum ökologischen Umbau der Wirtschaft zu unterstützen, bringe ihre Fraktion jetzt einen Gesetzesvorschlag für eine steuerliche Forschungsförderung in den Bundestag ein. „Ich weiß, dass wir da in ihrem Sinne unterwegs sind.“

Zum Schluss überraschte Andreae die Anwesenden mit einem ganz anderen Thema: Sie forderte, die Frauenquote im Präsidium des VCI zu erhöhen. Bisher gebe es dort nur eine weibliche Person. „Ich kann nachvollziehen, dass Sie keine feste Quote wollen. Aber es gibt viele tolle Frauen, die auch Ihren Verband stärken können.“

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Kerstin Andreae,
Stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen:

„Ich verbinde mit ihrer Branche großartige Innovationen, kreative Entdecker und junge, aufstrebende Menschen, die Ideen umsetzen wollen. Die Chemie ist als Schlüsselindustrie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in diesem Land.“








Hinweis:
Die Rede von VCI-Präsident Marijn Dekkers in voller Länge (Umfang: 5 Seiten) finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite.

Rund 400 Gäste aus Politik und Wirtschaft waren der Einladung des VCI nach Berlin gefolgt und nutzten die Gelegenheit zu Diskussion und Austausch mit den Vertretern der chemischen Industrie. - Foto:
Rund 400 Gäste aus Politik und Wirtschaft waren der Einladung des VCI nach Berlin gefolgt und nutzten die Gelegenheit zu Diskussion und Austausch mit den Vertretern der chemischen Industrie. - Foto: © VCI/Darchinger

Für Fragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf.

Ansprechpartner

Stud. Ass. Manfred Ritz

E-Mail: ritz@vci.de