Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien

VCI Positionspapier zur Betroffenheit der chemisch-pharmazeutischen Industrie durch den Brexit

Mit diesem Positionspapier gibt der VCI einen ersten Überblick zu den für die chemisch-pharmazeutische Industrie wichtigsten Themenfeldern, die durch den Brexit betroffen sind. Falls bereits möglich, werden auch Positionsempfehlungen für die zweite Verhandlungsphase abgeleitet. Ziel des VCI ist es, die Verhandlungen in den kommenden Jahren aktiv zu begleiten, seine Positionen entsprechend dem Verhandlungsstand zu aktualisieren und der Politik die Betroffenheit der Branche darzustellen sowie mögliche Lösungsansätze in die Debatte einzubringen.

Im Vorfeld der zweiten Verhandlungsrunde zwischen Europäischer Union und Großbritannien hat der VCI seine Position zum Brexit formuliert und die Betroffenheit der Chemie- und Pharmaindustrie dargelegt. - Foto: © vchalup/stock.adobe.com
Im Vorfeld der zweiten Verhandlungsrunde zwischen Europäischer Union und Großbritannien hat der VCI seine Position zum Brexit formuliert und die Betroffenheit der Chemie- und Pharmaindustrie dargelegt. - Foto: © vchalup/stock.adobe.com

In aller Kürze

Für die chemisch-pharmazeutische Industrie hat der Zusammenhalt in der Europäischen Union unter Wahrung der Grundfreiheiten in den Brexit-Verhandlungen hohe Priorität. Gleichzeitig sollte der wirtschaftliche Schaden für beide Seiten möglichst gering gehalten werden. Die Betroffenheit deutscher Chemieunternehmen durch den Brexit hängt letztlich von der Ausgestaltung der zukünftigen Handelsbeziehungen ab.

Abgesehen von möglichen Zollzahlungen in Höhe von jährlich 200 Millionen Euro sind die größten Belastungen zu erwarten, wenn künftig die Regulierung zwischen der EU-27 und dem Vereinigten Königreich (UK) divergierende Pfade einschlägt – zum Beispiel bei der europäischen Chemikalienverordnung REACH, der Zulassung von Bioziden oder Pflanzenschutzmitteln. Die durch die EU-Gesetzgebung erreichten hohen Standards zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt sollten in der EU-27 und UK auch zukünftig harmonisiert erhalten bleiben. Um dies sicherzustellen, sollte die EU in den Austrittsverhandlungen ein umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen mit UK anstreben.

Hintergrund

Eine knappe Mehrheit der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs hat sich Mitte 2016 für den Austritt aus der EU entschieden. Daher stellte die britische Regierung am 29. März 2017 den förmlichen Austrittsantrag gemäß Artikel 50 EU-Vertrag. Innerhalb von nur zwei Jahren müssen sich nun UK und die EU über die Austrittsmodalitäten sowie Form und Inhalt der zukünftigen Beziehungen einigen. Die EU wird in den Verhandlungen durch die Kommission vertreten, auf deren Willen hin die Verhandlungen in zwei voneinander getrennten Phasen strukturiert wurden. Voraussetzung für die Eröffnung der zweiten Verhandlungsphase, in der über die Ausgestaltung der zukünftigen (Handels-) Beziehungen verhandelt wird, ist ein einstimmiger Beschluss des Europäischen Rats auf dem Gipfeltreffen am 14./15. Dezember 2017.

Die Haltung des VCI

Der VCI hatte bereits vor dem offiziellen Beginn der Austrittsverhandlungen betont, dass die Errungenschaften der europäischen Einigung in den Brexit-Verhandlungen nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen. Für die chemisch-pharmazeutische Industrie hat der Zusammenhalt in der EU unter Wahrung der Grundfreiheiten hohe Priorität. Gleichzeitig sollte der wirtschaftliche Schaden durch den Brexit für beide Seiten möglichst gering gehalten werden. Um dies sicherzustellen, sollte die EU in den Austrittsverhandlungen ein umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen mit UK anstreben.

Betroffenheit der chemisch-pharmazeutischen Industrie

Die Betroffenheit deutscher Chemieunternehmen durch den Brexit hängt letztlich von der Ausgestaltung der zukünftigen Handelsbeziehungen ab. Sollte die britische Regierung etwa Chemie- und Pharmazölle auf Höhe der heutigen EU-Außenzölle einführen, würden jährliche Zollzahlungen von circa 200 Millionen Euro für Deutschlands drittgrößte Branche anfallen. Vermutlich noch größere Belastungen wären zu erwarten, wenn künftig die Regulierung zwischen der EU-27 und UK divergierende Pfade einschlägt – z.B. bei der europäischen Chemikalienverordnung REACH, der Zulassung von Bioziden oder Pflanzenschutzmitteln.

UK ist ein wichtiger Handelspartner und einer der größten Märkte in der EU für die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie. 2016 verkaufte die Branche Produkte im Wert von fast 12 Milliarden Euro dorthin (6,7 Prozent der deutschen Chemieexporte). Den größten Anteil machten Spezialchemikalien und Pharmazeutika aus. Gleichzeitig importierten deutsche Chemieunternehmen Erzeugnisse für über 6,4 Milliarden Euro aus UK. Das entspricht einem Anteil von 5,2 Prozent an den deutschen Chemieimporten. Dazu gehörten vor allem pharmazeutische Vorprodukte und Petrochemikalien. Das deutsch-britische Außenhandelssaldo mit Chemieprodukten ist stark positiv. In den vergangenen fünf Jahren sind die Exporte nach UK stark gestiegen, die Importe gingen dagegen zurück.

Auch als Produktions- und Vertriebsstandort spielt UK für deutsche Chemieunternehmen eine wichtige Rolle – wenngleich die Bedeutung in 2015 nachgelassen hat. UK landete nur noch auf Platz 10 der wichtigsten Auslandsstandorte. Der Bestand an Direktinvestitionen der deutschen Chemie in UK belief sich auf rund 1 Milliarde Euro. 2015 gab es 40 Tochtergesellschaften deutscher Chemieunternehmen in UK mit rund 8000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3,9 Milliarden Euro. Das Engagement britischer Investoren in der deutschen Chemie war dagegen mit Direktinvestitionen von über 2,6 Milliarden Euro deutlich höher.

Inhalt des VCI-Positonspapiers

Der VCI betrachtet die folgenden Themenfelder und zeigt dort jeweils Perspektiven und Position der Branche auf:

  • Handelspolitische und zollrechtliche Überlegungen
  • Chemikaliensicherheit und Umweltrecht
  • Gewerbliche Schutzrechte
  • Wettbewerbsrecht
  • Energie- und Klimapolitik
  • Weitere Themen


Das vollständige Positionspapier des VCI mit einem Umfang von 8 Seiten finden Sie im Download-Bereich im Kopf dieser Seite ("Langfassung")

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Ansprechpartner

Attila Gerhäuser

E-Mail: gerhaeuser@bruessel.vci.de