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PRESSEINFORMATION

12. Mai 2009

 

 

Ausführungen von Herrn Dr. Klaus-Dieter Juszak,

Vorsitzender der Fachvereinigung Chemieparks/Chemiestandorte im VCI,

vor der Presse in Frankfurt

 

(Es gilt das gesprochene Wort)

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Sehr geehrte Damen und Herren,

 

auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Chemieparks eine gute Grundlage für erfolgreiches Wirtschaften. Und das hat zwei Gründe:

 

1.Die Betreiber der Chemieparks und -standorte sorgen für einen reibungslosen Ablauf der Produktion. Sie kümmern sich professionell von A bis Z um alle Auf­gaben, die neben der Produktion anfallen: um die Anlieferung von Primärche­mikalien über standortinterne Rohrleitungsnetze, um die Bereitstellung von Zentral- und Fachwerkstätten für notwendige Reparaturen jeglicher Art, um die Versor­gung mit Wasser, Strom und Dampf. Sie sind auch verantwortlich für die Si­cherheit. Außerdem zählen zum Leistungsspektrum meist auch der Betrieb ei­ner Kläranlage, die Abfallentsorgung sowie weitere Dienstleistungen im Um­weltschutz, beim Arbeitsschutz und der Anlagensicherheit.

2.Die Entlastung von diesen Aufgaben ist ein wesentliches Element für die Chemie­unternehmen in den Chemieparks. Die Chemieproduzenten können sich in den über 40 deutschen Chemieparks auf das Wesentliche konzentrie­ren: das Herstellen von chemischen Erzeugnissen. Sie brauchen keine eigene Infrastruktur teuer aufzubauen.

 

Damit ist das deutsche Konzept der Chemieparks erfolgreich und hat Zukunft. Wir belegen dies mit der Umfrage der Fachvereinigung Chemieparks/Chemiestandorte, die wir Ihnen heute vorstellen. Die Erhebung umfasst den Zeitraum 2006 bis 2008[1], also die Zeit vor der Wirtschaftskrise.

 

 

Zahl der Unternehmen gestiegen

Die Zahl der Unternehmen, die sich in den deutschen Chemieparks angesiedelt haben, hat sich in den zurückliegenden drei Jahren weiter erhöht. Während im Jahr 2006 knapp 840 Unternehmen in den Chemieparks ihre Niederlassungen hatten, verzeich­neten wir für 2008 bereits knapp 920 dort ansässige Firmen. Das ist ein Plus von knapp 10 Prozent.

 

Mehr Beschäftigte: 10.000 neue Arbeitsplätze entstanden

Seit 2006 entstanden rund 10.000 neue Arbeitsplätze in den Chemieparks: 2008 waren dort insgesamt 240.000 Beschäftigte tätig.

 

Schauen wir uns aber die Beschäftigtenentwicklung genauer an: Die Chemieprodu­zenten vor Ort haben ihre Belegschaften reduziert; sie konzentrieren sich auf ihre Kernkompetenzen. Sie nutzten aber zunehmend die Möglichkeit, für den Anlagenbe­trieb unerlässliche Aufgaben von spezialisierten Standortdienstleistern ausführen zu lassen. Dazu zählen beispielsweise Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten, Abfallent­sorgung sowie Energieerzeugung.

 

Die Standortdienstleister und andere in Chemieparks tätige Dienstleistungsfirmen hin­gegen haben verstärkt Personal eingestellt, um die am Standort anfallenden Aufgaben zu übernehmen. Die Chemie produzierenden Unternehmen und die anderen produzie­renden Betriebe profitieren von dieser Art der Arbeitsteilung, wie die gestiegene Zahl der Firmen an den Chemiestandorten zeigt: Die Arbeitsteilung und somit die Konzentration auf die Kernkompetenz in den Chemieunternehmen, Standortbetreibern und Dienstleistungsunternehmen schafft also Arbeitsplätze!

 

Wie sieht nun die Beschäftigungsstruktur in unseren Chemieparks aus? Etwa 55 Pro­zent der Mitarbeiter an den Chemiestandorten sind bei den Chemieproduzenten und ih­ren Forschungsabteilungen tätig. Knapp 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten bei nicht-produzierenden Betrieben. Über 5 Prozent der Beschäftigten entfallen auf andere produzierende Unternehmen am Standort sowie auf selbstständige Forschungsein­richtungen.

 

Investitionen erhöht

Unsere Umfrage hat noch ein weiteres erfreuliches Ergebnis gebracht: Die Chemie­parks haben jährlich zwischen 2000 und 2008 etwa 3 Milliarden Euro in den Aus- und Neubau ihrer Anlagen investiert. Im Jahr 2008 waren es erstmals über 3,5 Milliarden Euro. Besonders bemerkenswert: Bei den Investitionen der produzierenden Unterneh­men dominieren die Chemieproduzenten deutlich: Über 80 Prozent der Investitionsaus­gaben der Industrie entfallen auf die Chemie. Das ist ein deutliches Ja zum Konzept Chemiepark.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

stellen Sie sich vor, Sie sind ein Unternehmer aus China, Indien oder den USA und möchten sich mit ihrem Chemiebetrieb in Europa ansiedeln. Warum sollen Sie ausge­rechnet nach Deutschland gehen? Über die allgemeinen Standortortvorteile Deutsch­lands hat Sie Herr Pfeiffer informiert. Die zahlreichen Vorzüge der Chemieparks habe ich eingangs erwähnt. Weitere Vorteile sind die zuverlässige Energieversorgung, die Verbundproduktion oder der gemeinsame Einkauf von Rohstoffen und Zwischenpro­dukten. Heute möchte ich unter dem Aspekt „Chemieparks verbinden“ zwei Pluspunkte der Infrastruktur besonders herausstellen: das Forschungsnetzwerk und die Logistik.

 

An Chemiestandorten lassen sich nicht nur produzierende Unternehmen und Industrie­dienstleister nieder. In Deutschland gibt es ein einzigartiges Netz von universitären aber auch außeruniversitären Forschungsstätten. Und diese wissenschaftlichen Ein­richtungen suchen oftmals bewusst die direkte Nachbarschaft zu den Chemiestandor­ten beziehungsweise Chemieparks. Unsere Umfrage zeigt: Jeder zweite Chemiepark ist direkt an ein Forschungsnetzwerk angebunden. Denn die Branche ist auf einen kon­tinuierlichen Fluss an Forschungsergebnissen angewiesen. Ein Indiz dafür: Fast jeder zehnte Chemiebeschäftigte arbeitet in einer F+E-Abteilung. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, wie wir sie momentan erleben, will die Chemie an ihren hohen For­schungs- und Entwicklungsaufwendungen festhalten. Denn wir wollen gestärkt aus der globalen Wirtschaftskrise hervorgehen.

 

Viele Chemiestandorte sind außerdem direkt in einer an der Chemieindustrie orientier­ten Regionalinitiative – sprich in einem Chemiecluster – organisiert. Die räumliche Nähe zu Instituten und anderen forschenden Unternehmen, oftmals große Firmen, wirkt sich positiv aus: Die Produktivität aller Unternehmen in den Chemieparks steigt.

 

Aber nicht nur Kooperationen zwischen kleinen und mittelständischen Firmen und Großunternehmen sind erfolgreich. Auch die Zusammenarbeit zwischen Industrie

und Wissenschaft führt zum geschäftlichen Erfolg. Das zeigen Expertenbefragungen des World Economic Forums: Fragt man nach der Kooperation von Industrie und Wissen­schaft bei Forschung und Entwicklung, belegt Deutschland stets Spitzenplätze. Um auch künftig dieses Niveau zu halten, begrüßen wir nachdrücklich, dass sich die Bun­desforschungsministerin für die steuerliche Forschungsförderung für Unternehmen einsetzt. Wichtig ist, dass von einer solchen Förderung die kleinen und mittleren Hightech-Unternehmen innerhalb der Chemiecluster als auch die großen Firmen profitieren. Denn sie sind oftmals die treibende Kraft innerhalb einer „Innovationsallianz“.

 

Aber nicht nur wenn es um Forschung und Entwicklung geht, sind Deutschlands Che­mieparks gut vernetzt. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt ist unser gutes Logistik- und Verkehrskonzept: Dies gilt sowohl für den Bezug von Rohstoffen als auch die Chemieexporte. Zwei Drittel der deutschen Chemieexporte gehen in die Länder der Europäischen Union. Auch aufgrund der Bedeutung des Handels für Deutschland sind hier die Transportwege doppelt so dicht geknüpft wie im europäischen Durchschnitt. Um die Kunden in der Europäischen Union – wie auch weltweit – zeitnah beliefern zu können und um die reibungslose Versorgung mit Vorprodukten zu garantieren, sind die Che­mieparks hervorragend an die Infrastruktur angebunden. Neben ihrem Anschluss an das Straßen- und Schienennetz sind sie oftmals auch über einen Hafen angeschlos­sen; sie verfügen über eine Anbindung an ein weitverzweigtes Netz von Pipelines, das die deutschen Chemiestandorte mit den nötigen Rohstoffen versorgt. Unsere Umfrage ergab, dass nahezu alle Chemiestandorte über einen Bahnanschluss verfügen, über 40 Prozent an Pipelines angeschlossen sind und jeder dritte Standort mit dem See- oder Binnenschiff angelaufen werden kann. Mehr als die Hälfte der Rohstoffe, die an Che­miestandorten weiterverarbeitet werden, kommt nicht über die Straße. 15 Pro­zent der Vorprodukte werden über Pipelines, 10 Prozent über den Wasserweg und ein Drittel über die Schiene angeliefert.

 

Ein zusätzlicher Vorteil: Zahlreiche Spezialanbieter für Chemielogistik sorgen bei hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards für die Abfüllung, die Abpackung, die Zwischenlagerung und für den reibungslosen Transport chemischer Produkte. Sie sind damit ein idealer Partner aller Firmen im Chemiepark.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

natürlich sind auch die Chemieparks von der Wirtschaftskrise betroffen. Ich bin aber überzeugt davon, dass unsere Chemieparks auch die schwierige Zeit gut meistern werden. Das Konzept der deutschen Chemieparks ist eine Erfolgsgeschichte und hat Zukunft. Viele Unternehmen schätzen die Vorteile dieses weltweit einzigartigen Kon­zepts. Eine aktuelle Studie der Amerikanischen Auslandshandelskammer AmCham führt auf: „Trotz oder gerade wegen der Krise sehen US-Unternehmen Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz 1 in der Liste der attraktivsten Standorte für US-In­vestoren.“

 

Ein Wort noch zu unserer Zusammenarbeit mit „Germany – Trade and Invest“, der Außenwirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesregierung. Wir werben mit einem gemeinsamen Messestand für den Chemiestandort Deutschland. Und wir sind sehr froh, Herr Pfeiffer, mit „Germany – Trade and Invest“ einen starken und kompetenten Mitstreiter gefunden zu haben, der das deutsche Konzept der Chemieparks international vertritt.

 

 

Kontakt: VCI-Pressestelle

Telefon: 069 2556-1496

E-Mail:

 


[1]

An der Umfrage haben sich 29 von 37 Chemieparks beteiligt. Die Ergebnisse basieren z.T. auf Hochrechnungen.

 

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