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PRESSEINFORMATION

 

 

Ausführungen von Herrn Dr. Gerd Romanowski,

Geschäftsführer des VCI und Leiter der Abteilung Wissenschaft, Technik und Umwelt,

am 27. November 2008 in Berlin

 

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

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Sehr geehrte Damen und Herren,

die chemische Industrie hat den Nano-Dialog der Bundesregierung von Anfang an unterstützt. Fachleute aus den Unternehmen und dem VCI haben sich in den drei Arbeitsgruppen engagiert. Sie steuerten unter anderem Erkenntnisse und Arbeiten zur Anwendung der Nanotechnologie im Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Ressourcenschonung bei. Zur Sicherheitsforschung und zu der Frage, wie Unternehmen verantwortungsbewusst mit Nanomaterialien umgehen sollen, haben wir uns besonders stark eingebracht. Wir bewerten den Nano-Dialog als konstruktiv und die Ergebnisse stimmen uns zuversichtlich, dass wir gemeinsam alle bislang ungelösten Fragen sachlich lösen können, die mit der Nanotechnologie zusammenhängen.Was können wir jetzt beitragen, was setzen wir bereits um?

1.Die fünf Grundsätze, die das Prinzipienpapier der Nano-Kommission beschreibt,sind für die chemische Industrie nicht neu. Wir praktizieren diese Empfehlungen seit vielen Jah­ren – im Rahmen der internationalen Chemie-Initiative Responsible Care. Deren Grundsätze gelten auch für Nanomaterialien. Und der VCI hat sie vor einem Jahr für die Branche in acht speziellen Leitfäden für die Nanotechnologie ausgearbeitet, nach de­nen sich unsere Mitglieder richten.

2.Wir werden die Sicherheitsforschung verstärken und beteiligen uns beispielsweise am OECD-Projekt „Testen repräsentativer Nanomaterialien“.

3.Umfragen belegen: Die Öffentlichkeit ist gegenüber der Nanotechnologie grundsätzlich positiv eingestellt, möchte aber mehr über die Anwendungen wissen und erfahren, ob diese Anwendungen sicher sind. Dieser Diskussion und Aufgabe stellen wir uns.

4.Die Nano-Kommission will ihren Dialog in den kommenden zwei Jahren fortsetzen. Auch wir werden uns daran beteiligen. Darüber hinaus wünschen wir uns, dass weitere Branchen diesen Prozess unterstützen.

 

Meine Damen und Herren,

die chemische Industrie erfüllt die gesetzlichen Vorgaben, die auch für Nanomaterialien gelten, und wir machen noch mehr als die Gesetze vorschreiben. Denn industrielle Produkte dürfen Menschen und Umwelt nicht beeinträchtigen. Das gilt für alle Produkte und selbstverständlich auch für solche, die mit Hilfe der Nanotechnologie hergestellt werden. Wir kennen die Sorgen der Menschen, die an uns herangetragen werden. Und ich versichere Ihnen: Die chemische Industrie nimmt die Produktverantwortung bei der Nanotechnologie ernst. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Um Hersteller und Kunden beim sicheren Umgang mit Nanomaterialien zu unterstützen, haben wir acht Leitfäden erstellt. Darin beschreiben wir unter anderem unsere Prinzipien der Produktverantwortung und wie sie in der Produktion und bei der Verwendung von Nanomaterialien angewandt werden sollen. Wir empfehlen den Unternehmen, zusätzliche physikalisch-chemische Daten zu erheben, die über die Anforderungen der europäischen Chemikalien-Verordnung REACH hinaus gehen. Dazu zählen Informationen über die Korngröße und die spezifische Oberfläche.

 

Ein eigener Leitfaden gibt konkrete Hilfestellungen wie die sicherheitsrelevanten Informationen über das Sicherheitsdatenblatt an unsere Abnehmer weitergegeben werden sollen. Er hilft den Unternehmen beim Erstellen und Anwenden des Sicherheitsdatenblattes.

 

Der Leitfaden zum Arbeitsschutz, den wir mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeits-medizin (BAuA) erstellt haben, gibt Empfehlungen zum Schutz der Mitarbeiter bei Tätigkeiten mit Nanomaterialien. Zusammen mit der BAuA hat der VCI die Unternehmen auch nach den Erkenntnissen aus den arbeitsmedizinischen Untersuchungen und nach den Schutzmaßnahmen befragt. Die wichtigsten Ergebnisse:

                                                                                                              

·Die Unternehmen ergreifen alle nach heutigem Kenntnisstand notwendigen technischen, persönlichen und organisatorischen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten.

·Die arbeitsmedizinischen Untersuchungen haben keine Hinweise darauf gegeben, dass die Mitarbeiter in irgendeiner Form beeinträchtigt werden.

 

Ergänzend dazu untersuchen unsere Mitgliedsunternehmen Nanomaterialien selbst und arbei­ten intensiv mit Wissenschaftlern zusammen. Darüber hinaus beteiligen wir uns an deutschen und europäischen Forschungsprojekten zur Sicherheit von Nanomaterialien. Beispielhaft will ich hier das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt „Nanoderm“ oder das EU-Projekt „NanoCare“ nennen. Vor gut vier Wochen war außerdem die Organisation für wirt­schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu Gast beim VCI. Im Mittelpunkt dieser Tagung stand die Frage, wie man beim Herstellen und Verarbeiten von Nanomaterialien die Exposition abschätzen und verringern kann. Ein wesentliches Ergebnis: Die Messmethoden stehen mittlerweile grundsätzlich zur Verfügung, sind aber noch sehr aufwendig.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Begriff „Nanotechnologie“ ist zwar neu, doch diese Technik und die Materialien existieren schon seit Jahrhunderten. Bereits im Mittelalter gab es Kirchenfenster, die kleinste Gold-Teil¬chen zur Farbgestaltung enthielten. Neu ist jetzt, dass wir heute besser verstehen, wie diese Technik wirkt und mit diesem Wissen versuchen wir, gezielt Produkte zu entwickeln: zum Bei¬spiel „selbst heilende“ Lacke, bruchfeste Keramiken oder korrosionsbeständige Oberflächen. In vielen Fällen verbessern Nanomaterialien den Umweltschutz oder führen zu einem sparsameren Gebrauch von Wasser, Erdöl und Erdgas. In den Produktionsprozessen unserer Branche nutzen wir beispielsweise seit vielen Jahrzehnten nanostrukturierte Katalysatoren, um Energie und Rohstoffe zu sparen.

Aber auch im Alltag kann heute jeder von Produkten auf Basis der Nanotechnologie profitieren: So gibt es Markisenstoffe, deren nanostrukturierte Oberflächen schmutz- und wasserabweisend sind, oder Autolacke und Brillengläser, die besonders kratzfest sind. Auch die ehrgeizigen Ziele des Klimaschutzes sind ohne Nanotechnologie kaum zu erreichen. So wird etwa die Wär-medämmung effektiver – dank eines Nanoschaums, der viel feinporiger als herkömmlicher Schaum ist. Sogenannte Power-Nano-Würfel werden zurzeit in Erdgastanks von Autos erprobt, um die Reichweite der umweltschonenden Fahrzeuge zu verbessern. Und Organische Leuchtdioden sollen in naher Zukunft wirtschaftlicher sein als die heutigen Energieeinsparlampen. In der Krebstherapie sind Studien zu von außen erhitzbaren magnetischen Nanopartikeln vielver-sprechend. Weltweit wird überlegt, in Entwicklungsländern Trinkwasser mit Hilfe von nanoporösen Filtern zu reinigen und zu entkeimen. Sie sehen, die Chancen der Nanotechnologie sind vielfältig.

Und diese Vielfalt zeigt: Es ist lohnenswert, sich für die Nanotechnologie in Deutschland einzu­setzen. Und es sprechen noch andere Gründe dafür: Deutschland befindet sich in einer guten Position. Nach den USA und Japan liegt die Bundesrepublik auf Platz drei bei den Patentan­meldungen, bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf Platz vier – und bei der Umset­zung in Produkte spielt die Chemie eine Schlüsselrolle. Mittlerweile arbeiten in rund 550 Unter­nehmen bereits 50.000 Menschen an Techniken und Produkten, die auf der Nanotechnologie beruhen. Damit wir hier weiterhin Neues erfinden, entwickeln und herstellen können, ist es umso wichtiger, dassdie Rahmenbedingungen in Deutschland diese Technik fördern. Das hat Vorteile für die Gesellschaft unddie Wirtschaft: Es entstehen neue Arbeitsplätze und der Ver­braucher erhält Produkte mit hohem Nutzen und hoher Sicherheit. Politik, Wissenschaftler und Unternehmen sind deshalb gefordert, den Dialog über Anwendungsmöglichkeiten und die Ver­meidung von Risiken weiterzuführen.

Kontakt: VCI-Pressestelle

Telefon: 069 2556-1496

E-Mail:

 

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